Sie ahnt es und fühlt dasselbe unwiderstehliche Kribbeln in ihren Fängen, wie wenn eine plötzliche Lust, etwas Lebendem die Haut abzuziehen, sie anwandelt. Der Kampfesmut aus alten Zeiten fährt in sie, der Haß, die Wildheit, die Bosheit flammen auf.

Aus der Fichtenanpflanzung heraus hinkt der ein wenig niedergeschlagene kleine Leuchtturmwärter, seine beiden kleinen Eulen in der Hand. Seine erste Eingebung ist, sie wegzuwerfen; aber dann fällt ihm ein, daß er sie dem „Ausstopfer“ in der nächsten Stadt ja anschnacken kann.

Da hat er wieder das wilde Halloh um die Ohren!

Diese neue Möglichkeit erfüllt augenblicklich seine ganzen Gedanken. Schnell steckt er eine frische Patrone in die Flinte — und eilt davon, dem Geräusch nach.

Aber nun läßt Strix erst allen Ernstes ihre Stimme ertönen.

Ein heimliches Schaudern, ein stilles Grauen durchbebt den lahmen Hahn ... ein so teuflisches Heulen, wie er es jetzt hört, meint er noch nie zuvor vernommen zu haben. —

Huu — Huu ... bis ins Unendliche ruft die Eule, so wie damals, als sie den Hasen in den Todestunnel hineinlockte. Der Leuchtturmwärter rennt dem Laut nach; er glaubt die ganze Zeit, daß er die große Eule im Dunkeln gerade vor sich hat; aber er rennt und rennt und ist ihr immer gleich nahe.

Sein Kla-datsch, Kla-datsch von dem lahmen Bein hämmert aufreizend und anfeuernd in Strix’ Ohren; sie hat eine brennende Lust, auf ihn niederzuschlagen, in seinem Fleisch zu zerren. Aber die Furcht vor den Menschen ist noch immer zu groß. Sie muß sich damit begnügen, ihn zu foppen und sich ihrer Überlegenheit in der Finsternis zu freuen ... da geht er ja unter ihr, taub und blind, und stapft schwerfällig auf seinen Klumpfüßen — und sie ändert ihren Platz wieder und wieder und saust von allen Seiten über ihm, während sie ihm ihr Geheul in die Ohren gellt. Nur wenn er still steht, schweigt sie, und dann spürt sie das alte, beklemmende Gefühl im Halse.

Huu — Huu ... quiwitt, quiwitt! Hin und her durch den Strandwald geht es, dann über die Abhänge hinaus und auf und ab an den langen Dünenwänden, unter denen das Meer siedet und schäumt.

Der lahme Hahn ist nahe daran, vor Durst zu vergehen, es schwitzt ihn, und das Halstuch hat er schon längst in die Tasche gesteckt; er fühlt sich immer mehr gereizt durch die Fopperei des Vogels und ist doch gleichzeitig mehr denn je darauf erpicht, ihn zu kriegen. Hier an den offenen Dünenhängen, wo hinaus er die Eule nun endlich getrieben hat, scheinen seine Aussichten ihm verbessert ... hier kann sie ihn nicht so leicht durch ihr Geheul täuschen, hier kann er den großen Vogel ja sehen, wenn er von Zeit zu Zeit einmal aus dem Schlehengestrüpp aufschießt, befreit von den Schlagschatten und der Erddunkelheit. Er will sie haben; er kann es an ihrem Heulen hören, daß es eine alte, mächtige Eule ist; sie muß viel wert sein, und es gibt ja nicht mehr von der Art .... Huu — Huu ... und beständig erschallen vor ihm die verwirrenden Töne. —