Ein paarmal schon hat er sich an dem Dünenhang hinauf und wieder hinab gearbeitet und dagesessen und ihr im Schutz eines kleinen dichten, sturmgepeitschten Dornenstrauches aufgelauert; jetzt hört er sie wieder, sie ist hoch oben über seinem Kopf, gerade unter dem Rande des Abhanges.
Der Sturm pfeift in den wilden Klettenstengeln und entführt seiner großen Hakennase Tropfen auf Tropfen, er singt hohl und orgeltönend in den Flintenrohren und klemmt einen eigenen vorwurfsvollen, gellenden Ton aus den kleinen Steinen heraus, die in der Tiefe unter seinen Füßen rasseln.
Auf allen Vieren, das Gewehr fest unter die Achselhöhle geklemmt, kommt er heraufgeklettert ...
Ganz zufällig flattert Strix im selben Augenblick von einem Schlehdorngestrüpp auf und schwingt sich über den Abhang hinaus, wodurch sie sich einen Augenblick vor ihm in der Luft zeigt, gerade als er vor einem Absatz an der Dünenwand steht. Er richtet sich schnell auf, geht blindlings drauf los und vergißt, sich in acht zu nehmen; jetzt will er einen Schnappschuß versuchen, will versuchen, den Satan nach dem Gehör zu schießen; aber in der Eile tritt er fehl und hält einen großen Schlagschatten am Ende des Absatzes für festen Boden, er strauchelt, will mit der Flinte vor sich fassen, die Schüsse gehen ab, der rechte, als das Rohr gerade über dem Boden ist, der linke, als das Rohr schon in der Erde ist. Der Lauf zerspringt ihm zwischen den Händen und reißt ihm die rechte Hand ab, er kann sich nicht festhalten, er gleitet und stürzt in die Tiefe.
Strix sieht ihn fallen, aber sie versteht seinen Fall nicht!
Sie glaubt, daß er hinter ihr drein ist — bis sie von einem neuen Sturmstoß wieder gegen den Abhang geworfen wird und ihn erblickt, wie er ausgestreckt am Strande liegt, den bleichen Hahnenschnabel steif in die Luft. Sie umkreist ihn, wirft sich in langen Bogen vor sein Antlitz nieder und faßt im Vorübersausen nach seinen wehenden Haarsträhnen — und dabei heult sie und schleudert ihm ihr krächzendes, übermütiges Hohngelächter ins Gesicht, während der Sturm im Riedgras seufzt und pfeift.
Endlich setzt sie sich auf einen Vorsprung des Dünenhanges; dort sitzt sie lange stumm und starrt grübelnd und unverwandt auf ihren toten Feind hinab. Es ist das erste Mal, daß sie einen Menschen so still sieht ... der Mensch — die ewige Unruhe, die sie zeitlebens gestört hat — nun liegt er dort tief unter ihr und ist so still geworden.
Da schreit sie häßlich, da heult sie unheimlich ... es schallt im Walde — es hallt wieder von den Dünenhängen —:
— Qui — witt, quiwitt — komm mit! komm mit! ... ha, ha, haaa!
— Es heult in der Nacht.