Stieg in Strix eine Erinnerung auf, als sie den Burschen sah? Bereute sie vielleicht erst jetzt eine ungenutzte Gelegenheit bei einer zufälligen Begegnung in einer dunklen Tanne? Oder ist nur das Wetter schuld daran?

Sie fährt auf die Waldkatze ein. Der Marder glaubt in dem ersten Augenblick der Überrumpelung, daß er einem Truthahn geradeswegs in die Arme läuft. Ein warmes Aufblitzen, eine Mischung von Freude und Überraschung über dies unerhörte Glück zuckt in den kleinen, listigen Lichtern des behenden Raubmörders auf — da pflanzt Strix ihre acht Fänge in seinen Hinterkörper.

Äh! knurrt der kleine Taa ... verdammter Irrtum! Und blitzschnell reißt er seinen kurzen, kräftigen Katzenschlund auf — Strix sieht wie in einer Sonnenuntergangsvision den roten, blutdampfenden Rachen und die weißen Zahnreihen. Eine drohende Wolke von wilder Bosheit senkt sich über die vorhin so glitzernden Pupillen des Marders; er legt die Lauscher zurück und windet sich mit einer Kraftanspannung plötzlich in eine kauernde Stellung.

Strix will sich das Tier mit ihren Fängen vom Leibe halten, aber Klein-Taa ist zu lang, ohne Anstrengung gelingt es ihm, seine Vorderläufe in die Horneule hineinzuschlagen. Er umarmt Strix auf beiden Seiten des Brustbeins und bohrt in der Wut seines ganzen Schmerzes seine Nase und seinen Rachen in ihre Federn und ihr Fleisch.

Einen Augenblick ist Strix kurz davor, umzufallen.

Sie muß den einen Fang loslassen und in aller Eile die Flügelspitzen und den Stoß als Stützstäbe in die Erde bohren, aber der Marder geht mit der vollen Unbändigkeit seines ganzen Mordinstinktes drauflos.

Vergebens preßt Strix ihr zottiges Gesicht gegen seinen Nacken und läßt ihre scharfe Hakennase seinen Pelz lichten, vergebens schleudert sie ihm ihr Wolfsgeheul ins Ohr und begeifert ihn mit ihrem Auswurf: der aufgeregte Taa läßt sich nicht einschüchtern, es handelt sich um Leben oder Tod — Strix muß entweder weichen oder sich ergeben.

Strix, die noch unverletzt ist, weil ihr dichtdauniges Kleid und die langen, dicken Brustfedern bisher den Stachel von den leidenschaftlichen Bissen des Marders abgehalten haben, wählt das erstere und reißt sich mit einem Ruck von ihrem Gegner los. Aber der Marder hält fest und geht mit.

Da kommt ein Orkanstoß! Er schlägt plötzlich wie ein Vogel Greif nach Beute in die Waldestiefe hinab, fällt ein paar Bäume und erhascht einen Arm voll Laub. Strix breitet mechanisch die Flügel zur Flucht aus — und leicht wie ein Federball, den Marder in ihren Fängen, braust sie durch die Waldesgipfel empor. Sie hat das Glück, beim Aufflug, wo Klein-Taa endlich loslassen will, seinen langen, geschmeidigen Körper fest zu umklammern, ihre acht Krummdolche bohren sich in sein Fell hinein, gerade unter den Schulterblättern zwischen den Rippen.

Das wird eine seltsame Luftfahrt! Im Vergleich damit ist der Flug mit der Kreuzotter das reine Kinderspiel; der fauchende Sturm nimmt Strix mit ihrem bißchen Beute in seine mächtigen Klauen und streicht mit rasender Geschwindigkeit mit ihnen davon. Er spielt Fangball mit ihnen, wirbelt sie in großen Rutschbahnschleifen auf und nieder und nach den Seiten und rund herum. Strix hat alle ihre Kräfte nötig, um die Flügel gespannt zu halten.