»Ob ich die Einsamkeit werde tragen können?« sagt er vor sich hin, »nur die Größten haben es gekonnt.«
»Es ist doch nur das äußere Einsamsein,« antworte ich. »Innerlich sind wir ja immer allein, nur daß wir's oft nicht wissen. Aber in den lichten Momenten, in denen wir das ganze Dasein als sinnlos, dunkel und verworren empfinden – denn das sind unsere lichten Momente, Frank Meinert –, da wissen wir, daß wir einsam sind, wie ein Wanderer in sturmdunkler Nacht. Da wissen wir auch, daß aus zweien niemals eins werden kann.«
»Ja,« nickt Frank langsam vor sich hin, »auf uns trifft das zu, weil wir Ganze sind. Halbe können vielleicht zu einem Ganzen verschmelzen, unsere Bestimmung ist es, allein und wir selbst zu bleiben. –
Weshalb lächeln Sie?« fragt er plötzlich mißtrauisch und gereizt. Ich bestreite, gelächelt zu haben und drehe das Licht an, um ähnlichen Irrtümern vorzubeugen. Und Frank sagt leise, den Kopf in die Hand gestützt: »So kommt man also früh zur Resignation.«
Jetzt lächle ich wirklich: »Ach nein, lieber Freund, so leicht kommt man nicht zur Resignation, wie Sie in diesem Augenblick glauben. Da müssen noch viele bittere Schmerzen durchgebissen und überwunden werden, ehe Sie dahin gelangen. Resignation, das ist die reifste Frucht an unserem Lebensbaum.«
»Und doch die bitterste,« sagt er, und wir schweigen beide.
Plötzlich sieht er nach der Uhr, steht mit einem Ruck auf und streckt mir seufzend die Hand hin: »Ich muß gehen. Es ist fabelhaft, wie in diesem Zimmer die Zeit versinkt! Schon die Tapete hat so etwas unglaublich Wohltuendes. Aber ich muß an die Arbeit.«
Ich nicke. »Man muß sich rühren, wenn man über Wasser bleiben will.«
Wir stehen einen Augenblick, und dann sagt Frank:
»Ob wohl alle Menschen ihr typisches Erlebnis haben?«