»Ich glaube wohl,« antworte ich, »aber die wenigsten sind sich dessen bewußt. Und es gibt auch viele Menschen, deren typisches Erlebnis ›Nichterleben‹ heißt.«
Und da er mich fragend ansieht, setze ich hinzu: »Das will ich Ihnen noch sagen, Frank, weil es vielleicht ein Trost für Sie ist: Nicht das Unglück, das uns trifft, schafft uns das bitterste Leid. Viel schwerer als das traurigste Erlebnis belasten uns die unerlebten Dinge, die Ahnung der tausend Möglichkeiten, für die wir uns bestimmt und gerüstet fühlen, und die sich uns niemals ereignen.«
Es ist eine Weile still im Zimmer, dann fragt Frank Meinert:
»Wann darf ich wiederkommen?«
»Sobald Sie wollen,« antworte ich.
»Dann darf ich Ihnen morgen ausführlich erzählen, wie das alles kam, mit Margot und mir?«
»Gewiß,« antworte ich und lächle erst, nachdem die Tür sich hinter ihm geschlossen hat.
»Hat sie wirklich so schöne Schultern?«
»Gnädige Frau,« sagt der sehr hübsche junge Mann, »ich möchte Ihnen für mein Leben gerne etwas sagen. Es quält mich, seit ich hier sitze und Sie ansehe, aber ich wage es nicht.«