»Ist es etwas so Schlimmes?« frage ich, »dann verschweigen Sie es lieber. Sie wissen, ich lasse mir meine Kaffeestunde nicht gerne stören.«

»Es ist nichts Schlimmes,« antwortete er, »aber es brennt mir auf der Zunge.«

»Dann hoffe ich, daß es eine brennend pikante Geschichte ist. Aber ich warne Sie, je amüsanter sie ist, um so schwerer werde ich sie für mich behalten können. Verschwiegenheit gehört nun einmal nicht zu den Tugenden, die ich von mir verlange, denn man muß auch sich selbst gegenüber in seinen Ansprüchen maßvoll sein.«

Georg Wendringer lacht: »Zum Glück beansprucht das, was ich Ihnen sagen will, keine Diskretion. Es ist nicht einmal neu, und eigentlich ist es nur ein Satz: – Gnädige Frau, Sie sind unglaublich schön.«

Ich muß hell herauslachen. »Ist das alles?«

»Ja,« sagte er, »das ist alles, und es ist eine wundervolle Befreiung, es gesagt zu haben. Und Sie sind nicht böse?«

»Ich weiß noch nicht,« antworte ich. »Es liegt natürlich eine Beleidigung darin, besonders in dem ›unglaublich‹, das eine böse Nebenbedeutung haben kann. Aber diesmal will ich's nicht so nehmen und Ihnen sogar gestehen, daß es für eine Frau nichts Wohltuenderes und Erwärmenderes gibt, als das Bewußtsein, schön gefunden zu werden. Alle Bewunderung für unsere Tugenden, ja sogar für unsere Liebenswürdigkeit und unseren Geist läßt uns kalt, denn sie ist nicht das Primäre.«

»Ich sehe, Sie sind nicht böse,« sagt er vergnügt, »dann darf ich mehr sagen.«

»Davon möchte ich abraten,« antworte ich, »jedes Mehr müßte den guten Eindruck stören, den Sie bis jetzt gemacht haben.« –

»So finden Sie also wirklich, daß für eine Frau Schönheit das Höchste und Begehrenswerteste ist?« fragt er kopfschüttelnd, »von Ihnen hätte ich das nicht gedacht.«