Ich muß ein wenig ungläubig dreingeschaut haben, denn er fragt schnell: »Aber Sie glauben vielleicht nicht an Freundschaft zwischen Mann und Frau?«
»O Gott!« seufze ich, »seit meinem sechzehnten Jahr quält man mich mit dieser Doktorfrage.«
»So haben Sie gewiß genügend darüber nachgedacht und können mir das Resultat mitteilen.«
»Nein,« sage ich, »das werde ich nicht tun, denn ich habe mir geschworen, auf diese Frage nicht mehr einzugehen, seitdem ein vorlauter Jüngling mir auf meine Antwort hin die noch heiklere Frage gestellt hat: Und was ist es also, was zwischen uns beiden besteht?«
Georg lacht: »Ich hatte nicht die Absicht, Sie in eine solche Falle zu locken, aber ich möchte für mein Leben gern wissen, welche Antwort der naseweise junge Mann bekam.«
»Die Antwort, die ich allen jungen Männern gebe, sobald sie anfangen, naseweis zu werden. Ich habe gelacht, ihm die Zigaretten gereicht und gefragt, ob er sich nicht zum Abschied noch bedienen wolle.«
»Das war hart,« sagt Georg, »denn seine Frage lag so nah, die Gelegenheit war so günstig.«
»Was wäre denn Takt,« antworte ich, »wenn es nicht die Fähigkeit und der Wille wäre, gute Gelegenheiten ungenützt zu lassen.«
Georg seufzt: »Schweigen ist aber oft sehr schwer!« und sieht so bekümmert aus, daß ich lachen muß. – »Ja, es muß sehr schwer sein. Allein wenn ich bedenke, wie früh man sprechen lernt und wie spät erst schweigen.«
Georg schüttelt den Kopf: »Das stimmt nicht ganz, so hübsch es klingt. Denn es kann sich ja nur um das richtige Sprechen und das richtige Schweigen handeln, und das lernt sich wohl gleich schwer und ist im Grunde genommen dasselbe, denn eins ohne das andere ist wertlos und eben nicht das Rechte.«