»Ich weiß, Paulsen,« sage ich seufzend und reiche ihm die Hand zum Abschied, denn wir sind vor meinem Hause angelangt. »Ich weiß es schon lange, das Dümmste, was wir haben, ist allemal unser Verstand!«

Von klugen und törichten Jungfrauen,
himmelblauen Kleidern und schlechten
Gewohnheiten

Dufaure und ich laufen durch den Wald, das heißt wir laufen nicht so, wie die Kinder laufen, obwohl wir's gerne möchten, aber wir gehen auch nicht so kur- und promenadenmäßig, wie sich's für verheiratete und ernst zu nehmende Leute ziemt. Denn wir sind beide ungeduldig. Wir haben schon viel zu lange bei der Table d'hote stillsitzen müssen, und während die anderen Gäste in ihren Liegestühlen schmökern und gähnen, kommt über uns beide manchmal das fast unbezwingliche Verlangen, ziellos in der Welt herumzulaufen.

»Fast so, als ob wir vor etwas davonrennen müßten, dem wir doch nicht entgehen werden,« sagt Dufaure, und ich nicke nur und spreche dann weiter über das vorher begonnene Thema und höre plötzlich ganz erstaunt mir selbst zu, als wär's ein fremder Mensch, der da voll Eifer Vorträge über Kindererziehung und Volksaufklärung hält.

Und mitten drin fragt Dufaure ruhig und sanft: »Wollen wir nicht lieber von etwas sprechen, was Sie interessiert?«

Da lache ich und sage: »Sie sind ein feiner Seelenkenner, Hänschen Dufaure. Mir ist's wirklich im Moment vollkommen gleichgültig, ob das Volk aufgeklärt wird oder dumm bleibt.«

»Mir nicht,« sagt er, »aber ich glaube, selbst wenn Ihnen ernstlich darum zu tun wäre, kämen wir der Lösung nicht näher, solange Sie solchen Kuddelmuddel darüber reden wie eben jetzt. Denn – Verzeihung, das haben Sie wirklich getan.«

»Ach Hänschen,« seufze ich, »es ist doch unglaublich gleichgültig, was man redet. Wenn man nur nicht zu denken braucht.«

»Merkwürdig,« sagt er kopfschüttelnd, »diese Maßnahme der meisten, selbst der klügsten weiblichen Wesen, beim Sprechen das Denken auszuschalten! Übrigens begreife ich nicht, was es für Gedanken sein können, die Sie so quälen, denn daß Sie sich über die Kinder- und Volkserziehung keine Sorge machen, ist mir soeben klar geworden, während Sie so leidenschaftlich darüber sprachen.«