Und da ich schweige, fährt er fort: »Wenn ich ganz ehrlich sein soll, glaube ich überhaupt nicht, daß Sie sich über irgend etwas in der Welt Kummer machen. Mir scheint es so, als ob das Leben vor und hinter Ihnen läge wie ein schöngepflegter Park, durch den Sie in wundervollen himmelblauen Gewändern wandeln. Und über Ihnen schwebt so etwas wie ein Schutzgeist, der paßt auf Ihre himmelblauen Gewänder auf.«

»Hänschen,« sage ich, »Sie sind wirklich nicht dumm.«

»Wie hübsch, daß Sie das finden,« antwortet er, »noch hübscher, daß Sie's so überzeugend sagen, denn ich halte mich manchmal für verzweifelt dumm. Ja, wenn ich uns zwei so betrachte, scheint mir's immer, als wären wir die lebendige Illustration zu der Geschichte von der klugen Jungfrau und dem dummen Hans. – Sie kennen doch die Geschichte?«

»Nein,« sage ich, »aber mir scheint, Sie werden sie gleich erzählen, sie brennt Ihnen schon auf der Zunge.«

»Nur den Anfang,« sagt er zögernd, »denn die Geschichte hat noch keinen Schluß.«

»Sie wird auch keinen bekommen,« sage ich.

Und dann sehen wir uns einen Augenblick an, und dann frage ich, ob er gute Nachrichten von zu Hause habe.

»Ich danke,« sagt er, »die Kinder kommen täglich an die Luft und sehen gut aus. Und Baby hat jetzt den zweiten Zahn, und die Amme will fortgehen. Und der Große hat gestern zweimal gehustet, aber der Doktor sagt, es ist nichts. – Ich nehme an, daß Sie sich hierfür brennend interessieren.« – »Nicht so sehr für die Details,« antworte ich, und wir gehen eine Weile schweigend nebeneinander her, bis er plötzlich fragt:

»Wird Ihnen das Kleid nicht über, wenn Sie es immerfort tragen?« – »Welches Kleid?« frage ich erstaunt. – »Das himmelblaue,« antwortet er.

»Mein Gott, ob es mir über wird!« seufze ich. »Aus dem himmelblauen Gewand ist ja schon richtig eine Zwangsjacke geworden! Aber was nützt's, wenn ich auch heraus will, mein Schutzgeist zieht mir's immer wieder über den Kopf, und so hab' ich mich abgefunden und werde himmelblau ins Grab steigen, verlassen Sie sich darauf, Hänschen.«