»Daran glauben Sie also wie an ein unabwendbares Fatum, das Ihr Leben bestimmt?«
»Ich glaube, daß unsere Natur das Fatum ist, das unser Leben bestimmt, – ein unentrinnbares Fatum.«
»Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen,« zitiert er, »aber wie wird es, wenn unsere Natur in Konflikt gerät mit der Natur und dem tiefsten Wesen eines anderen, das doch für ihn ebenso lebenbestimmend sein muß wie unseres für uns? Wenn zum Beispiel ein Mensch, der, sagen wir, vom Gesetz der Trägheit regiert wird, – ja, jetzt lachen Sie –,« unterbricht er sich, »aber seien Sie ehrlich: Heißt das, was wir Schutzgeist und Natur und Fatum nannten, nicht wirklich so ähnlich wie Trägheit?«
»Nennen Sie es so, wenn Sie wollen,« antworte ich, »und wenn Sie noch einen Namen dafür brauchen. Die meisten Menschen finden sich ja leichter mit einer Erscheinung ab, sobald sie erst einen Namen dafür gefunden haben. Und so hoffe ich, daß Sie sich endlich mit meiner Trägheit abfinden werden.«
»Hoffen Sie das ernstlich?« fragt er, und wir stehen einen Augenblick still und sehen einander in die Augen.
»Ja,« sage ich.
»Nein,« sagt er, »Sie hoffen es nicht, und Sie glauben es auch nicht. Denn Sie wissen, ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich abfinden und sich abfinden lassen. –«
»Ich hoffe es doch,« antworte ich, »denn niemand kann mit dem Kopf durch die Wand, – es sei denn, er gehörte zur Kategorie derer, mit denen man Wände einrennt, und dazu habe ich Sie nie gezählt. – Aber jetzt sagen Sie mir bitte, wann wir heute Tennis spielen wollen. Vor sechs Uhr ist es gewiß zu heiß und um sieben geht es schon wieder zu Tisch.«
Statt aller Antwort fragt Dufaure: »Haben Sie eigentlich nie geritten?«
»Nein,« antworte ich, ein bißchen erstaunt, wie immer über seine sprunghafte Art. »Sie wissen ja, daß ich eine unnatürliche, ich möchte fast sagen eine traumartige Angst vor Pferden habe.« –