Georgi prallt einen Schritt zurück und hebt die Hände mit einer entsetzten Abwehrgeste hoch. Aber ich fahre unbeirrt fort: »Sie wissen doch, was vom Merker geschrieben steht: Er werde so bestellt, daß weder Haß noch Lieben das Urteil trüben, das er fällt. – Und ich dachte, Ihre wohltuend kühle Sachlichkeit –«

»Sachlichkeit!« wiederholt er empört, »für dieses harte und ungerechte Wort will ich mich bösartig rächen, und zwar am liebsten auf der Stelle durch eine peinlich sachliche Kritik.«

»Erst Kaffee trinken,« bitte ich, und er setzt schnell hinzu, während er zufrieden den Tisch überblickt: »Wobei ich nur nebenbei bemerken möchte, daß ich jeder Art von Bestechung zugänglich bin.«

»Ich weiß,« antworte ich, »und habe deshalb Ihre Lieblingskeks backen lassen, die ganz dünnen, die hauchzarten und zerbrechlichen, mit einem Wort, die Ästheten unter den Keks.«

»Reizend!« lacht Kurt Georgi, und seine länglich geschnittenen Augen werden ganz schmal vor Vergnügen:

»Diese Erzeugnisse einer überraffinierten Kultur sind gewiß so bekömmlich, daß selbst die zarteste Dame ein Dutzend davon verschlingen kann.«

»Nur elf, wie Sie wissen,« berichtige ich, »und außerdem – verschlingen, wie vulgär! Genießen sagt man, oder auf der Zunge zergehen lassen, wenn es sich um etwas so Ästhetisches und Delikates handelt.«

»Wie um Ihre Gespräche hier zum Beispiel,« bemerkt er mit einer Bewegung nach dem Manuskript hin. »Die haben entschieden etwas, was auf der Zunge zergeht, und außerdem –«

»O weh,« unterbreche ich ihn, »wir kommen nicht drum herum, Sie müssen erst Ihre Kritik loswerden, vorher schmeckt's Ihnen nicht. Aber hüten Sie sich, wer weiß, ob Sie nachher noch etwas bekommen.«

»Ich werde nicht zu ehrlich sein,« versichert er schnell.