»Und Sie wissen auch nicht besser als alle Welt, was die Veranlassung zu all meinen Dummheiten ist?« fragt er vorgebeugt und nach seiner Gewohnheit die Hände ums Knie geschlungen.
»Vielleicht doch,« antworte ich, »soweit Sinnlosigkeit eine Veranlassung haben kann. – Aber ich habe schon zu viele Kinder gesehen, die wild um sich schlugen und sich selbst Beulen in den Kopf rannten, weil man ihnen einen Wunsch versagen mußte oder ihnen ein gefährliches Spielzeug aus der Hand nahm, als daß mich Ihre Erlebnisse in der Bar und anderswo gewundert hätten. Ich ahnte fast so etwas, als Sie so plötzlich bei Wartenbergs verschwanden.«
»Sie sind ja auch so klug,« lächelt er mit ironisch verzogenen Mundwinkeln. »Aber ob es so klug war, mir mein Spielzeug aus der Hand zu nehmen, – ich weiß doch nicht. Denn darin haben Sie recht, wir sind alle nur einfältige Kinder, die immer etwas zum Spielen haben müssen, damit wir nicht schreien. Fällt uns ein Spielzeug aus der Hand, schnell ein neues hineingesteckt, damit wir nicht schreien. Niemand von uns kann ohne ein Spielzeug leben.«
»Und da ging Karl Gerhard zur Bar und kaufte sich ein neues.«
»Mein Gott,« antwortet er, »man nimmt, was man gerade findet. Wählerisch ist man in solchen Momenten nicht.«
»Nun, Gott sei Dank,« sage ich, »ich sehe, daß es Äquivalente für alles gibt.« – »Es gibt keine Äquivalente auf der Welt,« bemerkt Gerhard, »es gibt höchstens Surrogate.«
»Mag sein,« gebe ich zu, »aber Surrogate tun ja auch ihre Schuldigkeit.« – »Nein,« ruft er plötzlich heftig, steht auf und läuft quer durchs Zimmer.
»Nein?« frage ich ganz naiv erstaunt und sehe ihm nach.
»Nein,« wiederholt er, »und ich will nicht, daß wir uns in diese Bitterkeit hineinreden, aus der wir nachher nicht wieder herauskönnen. Sie wissen so gut wie ich, daß ich kein Äquivalent und kein Surrogat gesucht habe, daß ich einfach –« – »Ja, ich weiß,« sage ich und wundere mich, wie weich meine Stimme klingt.
Er bleibt plötzlich stehen, kommt dann näher an den Tisch und fragt: