»Jawohl,« sage ich.
»Also kurz rekapitulieren!« Er sieht mich streng an, und ich sage, die Hände krampfhaft unterm Tisch:
»Lessings Hamburgische Dramaturgie gipfelt in der Erkenntnis, daß es gewöhnliche und ideale Nützlichkeitsmenschen gibt. Die ersten werden zum Beispiel nie ein armes Mädchen heiraten, die zweiten werden sich nie in ein armes Mädchen verlieben.«
»Basta punktum!« sagt der Professor grinsend, »da hat sich's der Weiberkopf Gott sei Dank in seine Weibersprache übersetzt. Vom Verlieben und Heiraten muß bei euch die Rede sein, da seid ihr zu Hause und geborgen, da könnt ihr mitschwimmen und plätschern wie ein Fisch im Wasser.«
»Weshalb verallgemeinern Sie so?« frage ich sanft. »Sollten Ihre dreiundvierzig Freundinnen am Ende ebenso trivial sein wie ich?« – »Die werden sich hüten,« antwortet er, »wer mit mir vom Heiraten spricht, hat ausgespielt.«
»Erzählen Sie ein bißchen von den dreiundvierzig,« schlage ich vor, um ihn wieder milder zu stimmen. »Sind sie alle sanft und bescheiden oder sind auch Wilde und Feurige dabei oder herb Verschlossene oder hinreißend Kluge? Daß sie alle berückend schön sind, setze ich als selbstverständlich voraus.«
»Alles ist da,« antwortet er stolz.
»Das muß ja unglaublich interessant und spannend sein,« schmeichle ich ihm, und er lächelt in teuflischer Verschlagenheit vor sich hin.
»Sie sind so verschwiegen,« beklage ich mich, »und ich habe Ihnen heute schon so viel von mir erzählt, daß Sie sich freundschaftlicherweise revanchieren dürften.«
»Ja,« sagt er nach einer kleinen Pause, »ich will Ihnen erzählen: Sie ist sanft und feurig und schelmisch und ernst und verschlossen und mitteilsam und stolz und bescheiden und alles zugleich. Und schön ist sie –«