»Sie, sie!« sage ich ganz fassungslos, »ich denke, es sind dreiundvierzig!«

»Quatschkopf!« sagt er und schnippt nach meiner Hand. »Sie wissen doch schon lange, daß es nur eine ist.«

Warum der kleine Dichter einen Nasenstüber
bekam –

»Der kleine Dichter« hieß er im Sanatorium, wo ich ihn kennenlernte, zur Unterscheidung von dem großen, der ihn sowohl an Körperlänge, als an Berühmtheit überragte. Aber hier in Hamburg, wo er nicht im Schatten seines größeren Kollegen lebt, nennen wir ihn den Dichter schlechthin, und wenn mir doch mal das Beiwort entschlüpft, dann hat es nichts mit einer Wertung zu tun, sondern ist ein Kosewort, und er läßt sich's behaglich schnurrend wie eine Katze gefallen.

Er hat mich gelehrt, daß ein Genie es unsagbar schwer im Leben hat und unter tausend Qualen leidet, von denen wir anderen nichts ahnen, und daß es daher unsere Pflicht ist, die Genies auf jede erdenkliche Art zu verwöhnen und ihnen so die Last ihrer Sendung zu erleichtern. Und ich habe damit angefangen, daß ich eine eierschalendünne Tasse gekauft habe, die er als seine Stammtasse betrachtet und aus der er ungeahnte Fluten von Kaffee schlürft, denn er bedarf starker Stimulanzen.

Auch Kuchen und Zigaretten sind Stimulanzen, deren er in hohem Maße bedarf.

Heute ist sein schmales Gesicht von Wind und Kälte gerötet, wie er bei mir eintritt. Er reibt sich heftig die auffallend schönen Hände, so daß das schmale goldene Armband ein wenig sichtbar wird, und dehnt sich dann behaglich im Sessel.

»Geradezu niederschmetternd ist es draußen,« berichtet er, »und ich weiß wirklich nicht, ob wir es uns gefallen lassen müssen, daß man uns unausgesetzt von oben herab mit kaltem Wasser begießt.«

»Ganz und gar nicht,« antworte ich und reiche ihm seine Tasse. »Sie haben ja auch Ihre Gegenmaßregel schon getroffen, die einzig wirksame, die es gibt.«