Sodann lassen wir das Pferd viel und schwer arbeiten, während das Wildpferd nach unseren Begriffen den Tag über bummelt. Auch dieses schwere Arbeiten erfordert eine entsprechend bessere Fütterung.
Hafer ist das Gewächs eines kärglichen Bodens, und deshalb ist Hafer das bekömmlichste Futter für Pferde.
Weil Pferde ursprünglich Gräserfresser waren, deshalb fehlt ihnen bei ausgesprochenem Körnerfutter die zur Füllung des Magens erforderliche Menge. Um dieses Unbehagen zu beseitigen, sind die Pferde auf ein ganz merkwürdiges Auskunftsmittel verfallen. Sie pumpen sich Luft in den Magen ein, was wir als »Koppen« bezeichnen. Hiergegen sind unzählige Mittel angewendet worden, doch wird man nicht behaupten können, daß sie großen Erfolg gehabt haben. Das Koppen ist einfach eine Folge der nicht naturgemäßen Fütterung. Den Russen war es schon längst bekannt, daß ihre an Gräser gewöhnten Steppenpferde zu koppen begannen, sowie sie Körnerfutter erhielten.
Sehr häufig hört man Tierfreunde jammern, daß ein Pferd nicht in Ruhe fressen kann, wenn ein Fahrgast in eine Droschke einsteigt, während das Pferd noch nicht mit Fressen fertig ist. Diese Klage ist grundlos. Das Pferd als Pflanzenfresser muß fortwährend auf der Hut sein, ob ein Feind es nicht überfällt. Sein Leben zerfällt also in folgender Weise: Etwas fressen, dann plötzlich laufen, wieder etwas fressen, dann wieder laufen und so weiter.
Eine Störung beim Fressen schadet also einem Pflanzenfresser wenig, ganz besonders wenig aber einem Pferde. Wir verstehen jetzt, daß das Pferd einen auffallend kleinen Magen hat. Es ist ganz verfehlt, wenn der Landwirt klagt: »Wie konnte der liebe Herrgott einem so großen Tiere einen so kleinen Magen geben!« Hätte das Pferd ein schneller Renner sein können, wenn es einen großen Magen besäße, der bis oben heran voll gefüllt war? Gewiß nicht. Wir wissen ja, daß ein voller Bauch nicht gern studiert. Würde der Mensch sich nach der Lebensweise der Wildpferde richten, so würde er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nämlich folgende zwei:
Erstens würde er durch möglichst häufiges Füttern – wie es bereits die gewitzigten Pferdehändler tun – weniger Futter brauchen. Wie Versuche an Militärpferden ergeben haben, leistet ein Pferd dieselben Dienste wie früher bei weniger Futter, wenn es nur häufiger gefüttert wird.
Sodann würde die Kolik, dieser ewige Alp der Pferdebesitzer, ebenso andere Krankheiten, die auf Ueberfütterung beruhen, ganz gewaltig zurückgehen.
Im Gegensatz zu den Pflanzenfressern wollen alle Raubtiere ihre Beute in Ruhe verzehren, da sie es so in der Natur gewöhnt sind. Sie sind deshalb sehr empfindlich gegen Störung. Auch Wiederkäuer wollen beim Wiederkäuen nicht gestört sein, da sie in diesem Zustande als wilde Tiere irgendwo in einem Gebüsch oder an einer verborgenen Stelle liegen.