Den großen Katzen gegenüber ist das Pferd regelmäßig verloren. Zebras wagen gegen den Löwen, der sie überfallen hat, gar keinen Kampf. Nur einmal habe ich davon gelesen, daß ein Zebra durch einen glücklichen Hufschlag den König der Tiere getötet hatte. Da der Löwenschädel mit dem eingeschlagenen Stirnbein gefunden wurde, ist an der Wahrheit des Vorganges nicht zu zweifeln. Man kann daraus die ungeheure Kraft der Hinterfüße der Einhufer erkennen. Denn der Löwenschädel ist besonders hart.
Nach den Schilderungen mancher Reisenden sollen die Hengste gegen den Bären aufgerichtet losgehen und ihn mit den Vorderhufen niedertrommeln. Das werden jedenfalls nur Ausnahmefälle sein.
Der Durchschnittswolf wird ein Durchschnittspferd wohl überwältigen, namentlich wenn es angespannt ist und sich nicht verteidigen kann. Immerhin gibt es Pferde, die jeden Wolf in die Flucht schlagen. Ein glaubwürdiger Bericht meldet sogar von einem Pferde, das gegen mehrere Wölfe siegreich blieb. Er soll hier eine Stelle finden:
Wegen der Unsicherheit der Reisenden und der Fuhrleute während der Zeit des ganz Deutschland verheerenden Dreißigjährigen Krieges pflegten die Frachtfahrenden sich zahlreich zu vereinigen, um durch gemeinschaftliche Wehr sich besser verteidigen zu können. Einer von diesen Fuhrleuten hatte ein Pferd, das in allen Ställen Händel anfing, um sich schlug und biß. Sein Herr selbst war nicht sicher dabei, und hatte oft mit seinen Kameraden deshalb Ungelegenheit. Als einst dieser vereinigt mit andern Fuhrleuten gegen Abend an einem Gebirge und hohlen Wege von drei heißhungrigen Wölfen angefallen wurde, mit denen sie lange zu streiten hatten, und die sich nicht ohne Beute abweisen lassen wollten, wurden die Fuhrleute einig, dem erwähnten Fuhrmanne sein Pferd zu bezahlen, um es den Wölfen preiszugeben. Dieser spannte es auch nach dem Vergleich sofort aus. Die hungrigen Wölfe machten sich sogleich an diese Beute, das Pferd aber schlug um sich, riß aus und ging waldein. Die Fuhrleute eilten indes in Sicherheit und freuten sich, bei dieser Gelegenheit ein unbändiges Roß aus ihrer Mitte entfernt zu sehen.
Abends, da sie in dem Wirtshaus zu Tische sitzen, klopft etwas an, und da die Magd die Obertür aufmacht, reckt das Pferd den Kopf hinein. Die Magd erschrickt, schreit überlaut und ruft die Fuhrleute herbei; diese freuten sich sehr, den heldenmütigen Ueberwinder dreier Wölfe, zwar sehr verletzt, aber doch seinem Herrn getreu zu erblicken. Sie vergaben ihm von dieser Zeit an gern seine übrigen bisher verübten Unarten.
Die vorstehende Erzählung scheint deshalb glaubhaft zu sein, weil gerade ein bissiges, unbändiges Pferd sich am besten gegen Raubtiere verteidigen wird.
Als Feind der Pferde ist noch die Panik zu erwähnen, die angeblich grundlos manche Herden halbwilder Pferde in Südamerika überfällt und sie zu einer rasenden Flucht veranlaßt, wobei viele in Abgründe stürzen. Wahrscheinlich ist diese Panik nur ein gemeinsames Durchgehen der Herden und hat ihren Grund in Dingen, die unsern stumpfen Sinnen entgehen.
[65]. Warum können Fohlen gleich auf den Beinen stehen?
Ein guter Bekannter hat uns die Erlaubnis erteilt, uns sein einige Tage altes Fohlen anzusehen. Diese Gelegenheit wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Ein neugeborenes Fohlen ist, wie die meisten jungen Tiere, ein allerliebstes Geschöpf. Es schaut noch so vertrauensvoll in die Welt und ahnt noch nicht, was ihm alles droht. Es fällt uns besonders auf, daß es schon laufen kann, sodann, daß es so lange Beine besitzt, und schließlich sein wolliges Haar.