Da bei den freilebenden Tieren, z. B. den so häßlichen Affen, die Männchen außerordentlich gute Väter sind, so können wir nur folgendes sagen: Die Natur arbeitet überall mit den einfachsten Mitteln. Wenn der Vater nicht nötig ist, um die Jungen groß zu ziehen, so kümmert er sich nicht um sie.

Bei uns Menschen ist die Hilfe des Vaters unbedingt erforderlich, um die Kinder groß zu ziehen. Aber was bei den Menschen der Fall ist, braucht noch nicht bei den Tieren zuzutreffen.

Herr Glänisch erzählt uns noch mancherlei von seinen Erlebnissen mit Pferden. Er hält sie nicht für besonders klug. Beweisend ist für ihn folgendes. Er war bei dem Brande eines Stalles zugegen und half, die Pferde retten. Da geschah nun das Unglaubliche, daß die geretteten Pferde in den Stall zurücklaufen wollten.

Wir wollen Herrn Glänisch nicht widersprechen, zumal wir uns verabschieden müssen und keine Zeit zu einer Auseinandersetzung haben. Aber die Sache liegt doch noch etwas anders. Wenn die klugen Menschen, sobald ein Boot zu kippen beginnt, alle aufspringen und dadurch erst das Boot zum Umschlagen bringen, dann fällt es niemand ein, den Insassen wegen ihrer unbegreiflichen Dummheit Vorwürfe zu machen. Der Mensch rettet sich bei Gefahr durch Aufspringen und Flüchten. Das ist auf dem Lande richtig, aber grundverkehrt im Boote.

So begeht auch das Pferd genau dasselbe wie der Mensch. Es will sich in Gefahr nicht trennen von seinen Kameraden, wie es das seit Urzeiten getan hat. Das ist für uns sehr ärgerlich, aber vom Standpunkte des Pferdes aus begreiflich.

[66]. Geschichten von Pferden.

Die Araber, die als die besten Pferdekenner gelten, haben eigentlich nur Lobsprüche für das Pferd. Die Unterhaltung der Männer am Lagerfeuer dreht sich fast ausschließlich um das Pferd, was nach unsern Anschauungen etwas einseitig ist. Von den Lobeserhebungen der Araber seien hier einige angeführt: »Sage mir nicht, daß dieses Tier mein Pferd ist, sage, daß es mein Sohn ist. Es läuft schneller als der Sturmwind, schneller noch als der Blick über die Ebene schweift. Es versteht alles wie ein Sohn Adams, nur daß ihm die Sprache fehlt.«

Das sind natürlich unglaubliche Uebertreibungen, aber sie sind vom Standpunkte eines Wüstenvolkes aus verständlich. Die arabische Wüste wäre ohne das Pferd unbewohnbar. Ein arabisches Pferd kann ohne Wasser zwei bis drei Tage laufen und begnügt sich erforderlichen Falls mit Wüstengräsern.

Wie behandelt aber auch der Araber sein Pferd? Er schlägt es niemals und bindet es niemals kurz an.