Einmal machte sie mir mitten auf der Landstraße ohne jeden Anlaß kurz kehrt, und da ich genau wußte, daß in der ganzen Gegend kein Gasthaus und keine Metzgerei vorhanden waren, mußte diese scheinbare Ungezogenheit auf anderen Gründen beruhen. Weit und breit war nichts zu sehen; ich zweifelte aber trotzdem nicht, daß meine Stute irgend etwas bemerkt hatte, was menschlichen Sinnen eben nicht wahrnehmbar ist. Ich zwang sie weiter zu gehen. Durch ein Nachgeben in solchen Fällen würde das Pferd selbstverständlich verdorben werden. Es würde später im Gefühle seiner Macht auch aus anderen Gründen als dem der Furcht kehrtmachen. Das Tier muß sich also stets bewußt sein, daß es eine Auflehnung gegen den Willen seines Herrn nicht gibt. Hat man in einem solchen Kampf einmal den Kürzeren gezogen, so kann die Mühe von Wochen umsonst sein, und die Dressur muß von neuem beginnen. Es gilt dies nicht bloß vom Umgang mit Pferden, sondern von allen Tieren.

Ich war also etwa 300 Meter weiter geritten, als ich bei einer Wegbiegung am Rande eines Waldes eine Zigeunergesellschaft mit Bären und Kamelen lagern sah. Nun war das Benehmen meiner Stute schon erklärt.

Die Furcht vor Raubtieren ist dem Pferde gleich allen anderen Geschöpfen eigen, und die Natur hat ihm die feine Nase und die Schnelligkeit verliehen, um diese Gefahren zu wittern und ihnen zu entfliehen. Es lag also auch in diesem Fall eine von seinem Standpunkt aus ganz verständliche Handlungsweise vor.

Die Scheu vor Raubtieren konnte ich ja bei meinen Pferden am besten beobachten. Ging ich in den Stall, nachdem ich kurz vorher meine zahme Löwin gestreichelt hatte, so nahmen meine Pferde keinen Zucker aus meiner Hand. Unter Schnauben und Pusten zogen sie sich in die entfernteste Ecke ihrer Box zurück.


Alles, was die Dame hier von der Behandlung der Pferde gesagt hat, kann man nur unterschreiben. Zur Bestätigung ihrer Angaben von dem feinen Geruch der Pferde und ihrer Furcht vor Blut und Raubtieren sei folgendes angeführt.

In heißen Ländern sind Reiter oft durch ihr Pferd vor dem Tode des Verdurstens gerettet worden. Es fand nämlich durch seinen feinen Geruch verborgenes Wasser, das der stumpfen menschlichen Nase vollkommen entgangen war.

Ein Bekannter von mir, ein vorzüglicher Reiter, kommt nach Hause geritten und wird von dem sonst ruhigen Pferde um ein Haar aus dem Sattel geschleudert, da es urplötzlich davonstürmt. Er geht der Sache auf den Grund und stellt fest, daß in seiner Abwesenheit eine Zigeunerbande mit einem Bären auf dem Gehöft geweilt hatte.

Etwas Aehnliches ereignete sich vor vielen Jahren auf einer Fähre. Ein sonst frommes Pferd will plötzlich auf der Fähre mit dem Wagen und seinen Insassen in den breiten Strom springen. Nur mit Mühe kann ein gräßliches Unglück vermieden werden. Auch hier wird festgestellt, daß eine Zigeunerbande mit Bären und Kamel vorher die Fähre benutzt hatte.

Man ersieht hieraus, wie notwendig es ist, daß die Fähre, wenn sie Raubtiere übergesetzt hat, gereinigt oder doch mit Wasser übergossen wird. Wenigstens muß es an den Stellen geschehen, wo die Tiere gelegen haben.