Jetzt wird uns sofort verschiedenes klar, nämlich folgendes:

Erstens, daß ein Tier, das aus den Gleichergegenden (Aequatorgegenden) stammt, viel Wärme braucht. Das ist auch in der Tat der Fall. In Deutschland ist es für den Esel bereits zu kalt. Deshalb gedeiht er bei uns nicht ordentlich.

Zweitens erklärt sich seine graue Färbung als Schutzfärbung. Sein Fell stimmt mit den Felsen und dem Geröll seiner Heimat überein, so daß er von seinen schlimmsten Feinden, dem Menschen und den großen Katzen, schwer entdeckt wird.

Auch der halbkahle Schweif hängt mit der Schutzfärbung zusammen. Im Felsengewirr würde der dicke schwarze Streifen des Pferdes auffallen, weil er sich von der vorherrschenden grauen Färbung abhebt, während das in der Ebene viel weniger der Fall ist.

Drittens verstehen wir seine zierlichen Hufe und seinen im Gebirge so sicheren Gang. Das Gebirge ist ja seine Heimat, und wer sicher auf kleinen Stellen im Gebirge auftreten will, darf nicht die unförmigen Hufe eines flämischen Pferdes haben.

Viertens. Auch die langen Ohren werden aus seinem Leben in der Heimat verständlich. Wir sehen, daß alle Tiere sich durch auffallend lange Ohren auszeichnen, die ihren eigentlichen Hauptsinn, den Geruch, nur unter ungünstigen Umständen tätig sein lassen können. Das ist beispielsweise beim Hasen, beim Wüstenfuchs und anderen Tieren der Fall. Der Hase liegt mit aufgelegtem Kopfe in einer Bodenvertiefung. In dieser Lage kann seine sehr feine Nase einen etwa 10 bis 20 Schritt entfernten Menschen trotz günstiger Windrichtung nicht wittern, falls dieser, was häufig der Fall ist, etwas höher steht. Denn die Ausdünstung des Menschen geht über den Rücken des Hasen hinweg. Daher ist die irrige Ansicht entstanden, daß der Hase nicht wittern kann. Wie vorzüglich er riechen kann, sieht man in jedem Frühjahr, wenn er wie ein Jagdhund in sausender Fahrt die Spur einer Häsin verfolgt.

Auch der Esel hat, wie das Pferd, eine ausgezeichnete Nase. Aber wie oft läßt sie ihn im Felsengewirr im Stich! Die Witterung des Menschen, des Löwen oder eines anderen Raubtieres, die hinter einem Felsen lauern, geht an dem Esel vorbei, ohne in das Riechgebiet der Nase zu gelangen.

Deshalb müssen sich Esel, Hase und Wüstenfuchs vor allen Dingen auf ihr Gehör verlassen. Daher ihr fortwährendes Spitzen der Ohren. Daher die ungewöhnliche Länge der Ohren bei den genannten Tieren.

Die Dummheit des Esels ist nicht so groß, wie sie gewöhnlich hingestellt wird. Sie hat in vieler Hinsicht dieselben Gründe wie die der Schafe, bei denen wir davon noch sprechen wollen.