Die Genügsamkeit des Esels ist für uns Menschen sehr wertvoll. Aber es ist nicht richtig, daß Disteln ihm über alles gehen sollen. Wir werden das gleich noch sehen.

[75]. Warum sieht man selten kranke Esel?

Während das Pferd einer Unmenge von Krankheiten unterworfen ist, muß man geradezu suchen, wenn man einen kranken Esel finden will. Einen schönen Fall von dem ungewollten Selbstmord eines Esels erzählt ein Naturforscher: Krank wird der Esel nicht leicht, und frißt er sich einmal zu Tode, so geschieht es wenigstens nicht in böser Absicht, was man aus folgender Tatsache entnehmen mag: Einer meiner Freunde besaß einen alten und einen jungen Esel; als des letzteren Geburtstag gefeiert wurde, ließen die Kinder auch den alten am Feste teilnehmen, gaben ihm eine große Menge reinen Hafers, und da feierte er denn so eifrig, daß er daran starb. –

Solche Menschen, die sich den Geburtstag ihres Esels merken und ihn gebührend feiern, sind sicherlich große Ausnahmen. Jedenfalls geht aus dem Erlebnis hervor, daß der Esel Hafer noch viel lieber als Disteln frißt.

Wie alle Einhufer, hat der Esel einen kleinen Magen und obendrein eine Klappe davor. Ein gesunder Einhufer kann sich also nicht übergeben. Er platzt, wenn er zuviel gefressen hat.

Wir haben vorhin (Kap. [62]) darauf hingewiesen, daß das Pferd ein Magerfresser ist. Der Esel ist es in noch höherem Grade. Gäbe man dem Esel auch soviel Körnerfutter wie dem Pferde, so würde er auch koppen und krank werden. Zum Glück verwöhnen wir den Esel nicht.

Es dürften also folgende beiden Gründe sein, weshalb der Esel so selten, das Pferd so häufig krank ist.

Einmal haben wir dem Esel die dürre Fütterung seiner Heimat gelassen, weil es uns sehr angenehm ist, daß er so genügsam ist.

Sodann haben wir den Esel so gelassen, wie ihn die Natur geschaffen hat.