[77]. Wie ist der Esel mit dem Maultier verwandt?
Maultiergespanne brauchen wir jetzt in der Großstadt nicht lange zu suchen. Da taucht bereits ein solches vor uns auf, das einer Brauerei gehört.
Die Verwandtschaft mit dem Esel ist, wie wir sehen, sehr groß. Lange Ohren, dünn behaarter Schwanz und zierliche Hufe fallen uns sofort in die Augen. Auch fehlt dem Maultier der stolze Ausdruck, den wir beim Pferde lieben. Das Maultier hat als Mutter ein Pferd und als Vater einen Esel. Beim Maulesel ist es umgekehrt. Uebrigens ist es bestritten, ob es irgendwo wirkliche Maulesel gibt.
Was sonst selten vorkommt, können wir beim Maultier beobachten. Es vereinigt die Vorzüge des Pferdes mit denen des Esels, nämlich die Größe und Kraft des Pferdes mit dem sicheren Tritt des Esels. In gebirgigen und warmen Ländern sind daher Maultiere sehr geschätzt.
Ferner ist das Maultier wie der Esel viel gesünder als das Pferd. Das ist ein ungeheurer Vorzug. Es würde auch bei uns verbreiteter sein, wenn es nicht manche unangenehmen Eigenschaften besäße. So ist es störrisch und liebt es sich zu wälzen. Das ist besonders unangenehm, wenn es soeben geputzt worden ist.
[78]. Wie erklärt sich die Abneigung des Pferdes gegen den Esel?
Trotzdem Pferd und Esel beide Einhufer sind, hat das Pferd eine Abneigung gegen den Esel. Um ein Maultier zu züchten, muß man deshalb künstlich diese Abneigung unterdrücken. Die Maultiere selbst pflanzen sich nicht fort.
Man bekommt ein Verständnis für den Widerwillen, den nahe verwandte Tiere oft gegeneinander haben, wenn man sich die Folgen einer Paarung vorstellt. Das Pferd ist Bewohner der Steppe und Meister im Rennen. Der Esel ist dagegen im Gebirge zu Hause und ein vorzüglicher Kletterer. Gäbe es in der Freiheit Maultiere, also Abkömmlinge von Pferd und Esel, so könnte ein Maultier nicht so rennen wie seine Mutter und würde von den Wölfen zuerst eingeholt werden. Aber auch im Gebirge könnte es nicht so klettern wie sein Vater und fiele deshalb auch hier zuerst den Feinden zur Beute.