Bei der Rinderherde befindet sich auch ein Stier oder Bulle. Er ist noch ein ziemlich junges Tier und deshalb allem Anscheine nach noch umgänglich. Aelteren Stieren ist gewöhnlich schlecht zu trauen.

Es dürfte bekannt sein, daß besonders der Stier eine ausgesprochene Abneigung gegen die rote Farbe hat. Es ist schon oft Unglück dadurch entstanden, daß Menschen, die von dieser Eigentümlichkeit nichts wußten, den Stier ahnungslos gereizt haben und infolgedessen schwer verletzt, ja getötet worden sind.

Was veranlaßt den Stier zu diesem Hasse auf die rote Farbe?

Wir kennen heute noch nicht genau die Stammeltern unserer Hausrinder. Aber es ist sicher, daß sie wie alle Wildrinder ihren größten Feind in den Katzen haben. Besonders der Tiger macht eifrig auf Wildrinder Jagd.

Die rote Farbe läßt wahrscheinlich den Stier an seinen grimmigsten Feind denken. Da der Stier nicht wie ein Pferd flüchtet, sondern mit seinem Gegner auf Tod und Leben kämpft, so ist der wütende Angriff des Stieres auf einen Menschen mit roter Kleidung verständlich.

Die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe dürfte denselben Grund haben. Wir werden bei der Schilderung des Truthahns näher darauf zu sprechen kommen.

[84]. Das Flotzmaul der Rinder.

Bei den weidenden Rindern beobachten wir ferner, daß sie im Gegensatz zu dem Pferde ein Flotzmaul besitzen, d. h. eine breite haarlose und feuchte Stelle zwischen den Nasenlöchern.

Weshalb hat wohl das Rind einen solchen Nasenspiegel, den wir in ähnlicher Form bei Büffeln, Hirschen und anderen Pflanzenfressern finden?