[86]. Die Furcht der Rinder vor den Bremen.

In große Aufregung könnten wir die Herde auch versetzen, wenn wir das Geräusch einer fliegenden Breme (auch Bremse genannt) nachmachten. Wir werden das natürlich nicht tun. Allerdings ist die eigentliche Flugzeit der Bremen erst im Hochsommer und zwar in den Mittagsstunden.

Die Furcht der Rinder vor den Bremen ist sehr wohl begründet. Diese Insekten umschwärmen die großen Pflanzenfresser und suchen ihre Eier auf ihnen abzulegen. Obwohl die Rinder bei ihrer Ankunft die Schwänze hochnehmen und davonrasen, gelingt den Bremen ihr Vorhaben. Das abgelegte Ei entwickelt sich zur Made, die auf Kosten des Wirts lebt und große dicke Beulen, sogen. Dasselbeulen hervorruft. Diese Beulen, aus denen das fertige Insekt auskriecht, verursachen natürlich große Löcher in der Haut.

Man sollte meinen, daß der Gerber solche durchlöcherten Rinderhäute nicht haben will. Das Gegenteil war vor dem Kriege der Fall. Durchlöcherte Häute wurden gern genommen, weil die Erfahrung gelehrt hatte, daß die Insekten mit ihrem feinen Geruchsvermögen stets die gesündesten und kräftigsten Tiere zur Eiablage ausgesucht hatten.

[87]. Die Abneigung der Rinder gegen Hunde.

Es ist gut, daß wir keinen großen Hund bei uns haben. Denn man kann immer wieder erleben, daß die Rinder eine ausgesprochene Abneigung gegen Hunde haben.

Will ein Jäger mit seinem Hunde durch eine weidende Kuhherde wandern, so muß er sich vorsehen, daß sie seinen Hund nicht angreifen.

Hier zeigt sich so recht deutlich der Unterschied zwischen Pferd und Rind im Benehmen gegen ihren Feind. Das Pferd flüchtet regelmäßig und kämpft nur gegen kleinere Raubtiere. Auch stehen sich Pferde gegenseitig nicht bei.

Ganz anders liegt die Sache bei den Rindern. Diese halten zusammen und stürmen gemeinsam auf den Feind. Zur Flucht sind sie ja auch viel zu schwerfällig gebaut.