Deshalb brüllen auch die Rinder, die von einem Raubtier überfallen worden sind oder sonst Schmerz empfinden. Denn das Brüllen hat bei ihnen einen Zweck. Es soll die Genossen zum Beistand anspornen. Pferde dagegen stehen sich, wie wir wissen (Kap. [58]), nicht bei, und deshalb erleiden sie stumm alle Qualen.

[88]. Das Aufblähen der Rinder.

Wenn die Rinder gierig üppig gewachsenes Futter, z. B. Klee, Luzerne und Esparsette fressen, dann ereignet sich oft, namentlich, wenn die Sonne sehr sticht, und es schwül ist, das sogen. Aufblähen der Rinder. Dieses Aufblähen entsteht durch Auftreibung des Pansens infolge der Entwicklung von ungewöhnlichen Gasmengen.

Man ersieht hieraus, wie leicht den Landwirt schwere Verluste treffen können, gerade dann, wenn er seinen Tieren das schönste, was er ihnen geben kann, zu fressen gibt.

Da die Tiere nur weiden, wie es auch die Wildrinder tun, so scheint die Frage berechtigt zu sein, warum die an sich naturgemäße Art des Fressens zu schweren Erkrankungen führen kann.

Vergegenwärtigen wir uns die Lebensweise der Wildrinder und vergleichen wir sie mit der Lebensweise unserer Hausrinder, so ergeben sich folgende Unterschiede.

Zunächst sind die Wildrinder Nachttiere, wie schon aus ihren großen Pupillen ersichtlich ist. Genau wie unsere Hirsche und Rehe gehen sie erst mit dem Anbruch der Dämmerung auf die Nahrungssuche aus. Zu diesem Zwecke verlassen sie den Wald oder das Gebüsch, das ihnen am Tage Deckung gewährt hat, und treten auf die Felder.

Also von der Sonne prall beschienene Futterpflanzen, obendrein bei äußerst schwüler Luft, fressen die Wildrinder niemals.

Sodann gab es in Vorzeiten, als der Mensch noch nicht dem Acker seinen Stempel aufgedrückt hatte, niemals Futterpflanzen in solcher Fülle. Erst das Säen, die Bewässerung, die künstliche Düngung und anderes hat diese Unmasse hervorgerufen. Früher wuchsen blähende Futterpflanzen nur vereinzelt. Dazwischen standen andere Pflanzen, die dem Blähen entgegenwirkten, z. B. Kümmel. Also hatten die Wildrinder früher gar keine Gelegenheit, soviel blähendes Zeug zu fressen, wie heute die Hausrinder.