Uebrigens hat mir ein Bekannter, der zehn Jahre unter den Rinderherden in Südamerika lebte, genau das gleiche von dem ausgesprochenen Sinn der Rinder für eine Rangordnung erzählt.

[93]. Wie hoch ist der Milchertrag einer Durchschnittskuh?

Unsere Herde wird jetzt nach Hause getrieben, um gemolken zu werden.

Wildrinder haben nur Milch für ein oder zwei Kälber. Der Milchreichtum unserer Kühe ist erst künstlich vom Menschen angezüchtet worden. Ohne fortwährendes Melken würde die Milcherzeugung wieder zurückgehen.

Die Tragezeit der Kuh beträgt etwa 9½ Monate. Nach dem Kalben ist naturgemäß die Erzeugung der Milch sehr hoch. Etwa 300 Tage oder 10 Monate lang dauert die Laktation oder Milcherzeugung. Gute Kühe liefern während dieser Zeit den Tag bis zu 10 Liter, manche ausnahmsweise bedeutend mehr. Dann steht die Kuh gewöhnlich 6 Wochen trocken. Es gibt aber ausgezeichnete Kühe, die auch während dieser Zeit Milch liefern.

Der Milchertrag ist also außerordentlich verschieden. Es kommt aber nicht bloß auf den Milchertrag, sondern auch auf den Fettgehalt der Milch an.

Selbstverständlich wird jeder Landwirt suchen, Kühe zu halten, die recht viel und recht fettreiche Milch liefern. Berühmt wegen ihres Milchreichtums sind Holländer und Oldenburger Kühe. Doch ist ihre Milch nicht so fettreich und liefert nicht soviel Butter und Käse wie die Milch der Schwyzer, Allgäuer und anderer Höhenkühe. Auf die Verschiedenheit von Gebirgs- und Niederungsgräsern ist schon früher aufmerksam gemacht worden.

Bei den praktischen Engländern und Amerikanern, ebenso bei den Schweizern melken Männer, nicht Frauen. Es ist das wahrscheinlich kein Zufall. Bei uns in Deutschland herrscht vielfach die Ansicht, daß es eines Mannes unwürdig ist zu melken. Sonst ist das Ausland für uns maßgebend, aber in diesem Falle, wo es von Vorteil für uns sein dürfte, leider nicht.

[94]. Warum ist das Rind ein Wiederkäuer, das Pferd nicht?