Trotz der sprichwörtlichen Dummheit des Rindviehs ist es damit nicht so schlimm bestellt. Bei der Kuh vorm neuen Tor haben wir das bereits hervorgehoben. Auch hier trügt der Schein. Das Rind ist sich seiner Stärke bewußt und bleibt daher seelenruhig, was wir als Stumpfheit auslegen.

Beim Hunde wurde die Geschichte erzählt, wie ein Bulle in tiefes Wasser flüchtete, um vor einem Nasenbiß sicher zu sein. Kann es ein zweckmäßigeres Verfahren geben?

Im Harz tragen die Rinderherden oft Glocken, die genau abgestimmt sind. Allgemein wird behauptet, daß die Kühe die Glocken ihrer Herde von denen anderer unterscheiden und sich, wenn sie sich verirrt haben, danach richten.

[96]. Die Rassen der Rinder.

Ueber die Stammeltern unserer heutigen Rinder ist man sich noch nicht einig. In Europa lebten früher zwei Wildrinder, und zwar der Auerochs und der Wisent. Der Auerochs hatte lange Hörner und keine Mähne, während der Wisent eine Mähne, aber kleine Hörner besitzt. Der Wisent lebt heute noch in Zoologischen Gärten und an vereinzelten Stellen, während der Auerochs gänzlich ausgerottet ist. Es ist daher unrichtig, den noch heute lebenden Wisent als Auerochs zu bezeichnen.

Wahrscheinlich ist der Auerochs in unseren heutigen Rindviehrassen aufgegangen.

Man unterscheidet folgende Rassen: 1. Steppenrassen, 2. Niederungsrassen, 3. einfarbige Gebirgsrassen, 4. bunte Gebirgsrassen, 5. Landrassen, 6. englische Rassen, 7. französische Rassen.

Die Steppenrassen mit ihren langen Hörnern sind jedenfalls erst allmählich in der Steppe heimisch geworden. Denn nach dem Bau seiner Füße ist das Rind, wie wir schon erwähnten, ein Geschöpf der Niederung, und zwar der bewaldeten Niederung.

Im Gegensatz zum Pferde gehört das Rind zu den paarzehigen Huftieren aus der Familie der Horntiere.