Wir Menschen sind entsetzt, daß eine Mutter so entartet sein kann. Aber ist unser Standpunkt richtig?
Mir ist kein Fall bekannt, daß eine Wildsau ihre Frischlinge gefressen hat. Vielmehr weiß jeder Jäger, daß sie ihre Jungen mit Aufopferung ihres Lebens verteidigt.
Deshalb wird die Schuld an uns liegen. Das Wildschwein ist ein halbes Raubtier, das mit Vorliebe Aas frißt. Dem Hausschwein geben wir aber regelmäßig nur Pflanzennahrung. Ist es da ein Wunder, daß der andauernd unterdrückte Fleischhunger sich gewaltsam Bahn macht?
Erfahrene Schweinezüchter haben mir übrigens versichert, daß eine Sau nur kranke oder lebensunfähige Ferkel frißt. Ob das zutrifft, kann ich nicht beurteilen.
Der Stieglitz, den man mit einem Kanarienvogelweibchen paart, frißt die Eier des Weibchens, weil wir ihm keine Räupchen geben, die Hühner reißen sich die Federn aus, weil sie im Frühjahr Mangel an tierischer Nahrung haben. Auch sie werden durch falsche Fütterung zu halben Kannibalen.
[107]. Muß ein gutes Schwein alles fressen?
Bekannt ist der Satz, daß ein gutes Schwein alles fressen muß. Ich kann ihn leider nicht unterschreiben. Ich weiß sehr wohl, daß das Schwein einen sehr großen Speisezettel besitzt, da es sowohl Pflanzenfresser als auch ein halbes Raubtier ist. Dennoch gibt es gewisse Dinge, die das Schwein nicht frißt. So ließen alle Schweine trotz des größten Hungers Kastanien liegen, während Schafe, wie wir noch besprechen werden, sie gierig fraßen.
Auch mit gesalzenen Dingen muß man beim Schweine sehr vorsichtig sein. Für Wiederkäuer, auch für Pferde, ist Salz bekömmlich. Für alle Raubtiere ist Salz jedoch sehr nachteilig.
Gesalzenes Pökelfleisch, ebenso Heringslake haben schon oft den Tod von Schweinen herbeigeführt. Das kam daher, weil man auf den Satz schwor, daß ein gutes Schwein alles fressen muß.