Uebrigens frißt das Schwein auch Heu und Stroh ungehäckselt nicht.
[108]. Die Fütterung der Schweine mit Rohrwurzeln.
Immer wieder muß ich betonen, daß wir zu einem richtigen Verständnis eines Haustieres nur gelangen, wenn wir die Lebensweise seiner wilden Verwandten erforschen.
Bereits lange vor Ausbruch des Krieges habe ich darauf hingewiesen, daß wir auf diesem Wege auch zur Erlangung neuer Futtermittel für unsere Haustiere gelangen. So war es mir aufgefallen, daß das Wildschwein im Winter gern die Farnwurzeln frißt, ebenso die Wurzeln von Schilfrohr.
Praktische Schweinezüchter haben mir bestätigt, daß die Farnwurzeln ein sehr bekömmliches Futter für Hausschweine sind. In Amerika ist es, wie mir mitgeteilt wurde, an vielen Stellen üblich, Schweine mit Farnwurzeln zu füttern. Ebenso sind die verwilderten Hausschweine an der Westküste Neuseelands von den Eingeborenen ausgerottet worden aus Furcht, die Schweine möchten die Farnwurzeln vollends zerstören, auf welche die Eingeborenen zu ihrer Nahrung besonders angewiesen sind.
Die Vermutung spricht daher dafür, daß auch die Rohrwurzeln für Schweine ein bekömmliches Futter sind.
Es hat daher mein höchstes Interesse erweckt, daß der Rohstoffverband in Charlottenburg jetzt in großzügiger Weise die Rohrwurzeln mit Greifern und Baggern gewinnen und daraus ein Futtermittel »Fragmit« herstellen läßt. Der Name ist verdeutscht aus phragmites communis, das Schilfrohr.
Es scheint mir das ein sehr glücklicher Gedanke zu sein, da hierdurch folgendes erzielt wird:
1. Gewinnung eines Futtermittels von hohem Zuckergehalt,