In unserem Zoologischen Garten befindet sich seit Jahren ein Mufflonbock mit mächtigem Gehörn. Wir wollen uns diesen etwas näher betrachten.

Die Verwandtschaft mit unserm Hausschaf ist, wenn man von seinem Hörnerschmuck absieht, unverkennbar. Das Weibchen hat jetzt ein Junges, das nach der Tafel am 22. März geboren worden ist. Da wir Anfang Juni schreiben, so ist es fast drei Monate alt.

Mutter und Kind erinnern sehr an unser Hausschaf, wenn es ein Lamm bei sich hat. Namentlich das häufige Mähen trägt zur Uebereinstimmung bei. Aber das Mufflonjunge, das auf einem Felsen steht, sieht naturgemäß aus, was man von unsern Lämmlein nicht immer sagen kann.

Nachdem ich an Mufflons, die bei uns ausgesetzt worden sind, z. B. denen bei Dresden, festgestellt hatte, daß sie gern Roßkastanien fraßen, habe ich auch vor Jahren dem Berliner Bock eine angeboten. Er war ganz wild danach. So zurückhaltend er sonst ist, so kam er oben vom Felsen hastig angelaufen, sobald ich nur mit einer Kastanie an das Gitter klopfte. Als ich diese Leidenschaft für Kastanien bei den Wildschafen entdeckt hatte, versuchte ich die Fütterung auch bei Hausschafen und Ziegen. Beide waren ebenfalls ganz wild danach. Schweine dagegen haben sie, wie schon erwähnt wurde, abgelehnt.

Auf die Fütterung mit Kastanien kam ich folgendermaßen. Die Roßkastanie stammt aus den Gebirgsländern des Mittelländischen Meeres. Gerade im Gebirge dieses Meeres sind die Mufflons heimisch. Folglich spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie ein passendes Futter sind.

Die Kastanien brauchen bei Schafen und Ziegen nicht entbittert zu werden. Der Geschmack des Menschen ist nicht der gleiche wie der von den Tieren. Der Hase frißt ja fast nur Bitterstoffe. Es würden lauter Gift- und Bitterpflanzen bei uns wachsen, wenn diese nicht auch in der Tierwelt Liebhaber fänden.

An Lämmer aber soll man keine Kastanien verfüttern. Wenn die Kastanien reif sind, dann gibt es keine Mufflonlämmer, sondern diese sind dann schon fast ausgewachsen.

Die Mufflons stehen im Winter unter Nadelhölzern. Hiernach sind Kiefernadeln, an denen wir einen unendlichen Ueberfluß haben, im Winter ein sehr naturgemäßes Futter für Hausschafe.

[126]. Die Rassen des Hausschafs.