Ferner ist dem Landbewohner bekannt, daß die Hühner leicht an Schneeblindheit erkranken. Sie werden dann gewöhnlich in den Stall gebracht.

Soviel ist wohl sicher, daß das Vogelauge in mancher Hinsicht anders gebaut ist als das Menschenauge. So fängt man in den Balkanländern Vögel mit großen bunten Tüchern, wodurch die Vögel in auffallender Weise angelockt werden.

Ob die Landbewohner recht haben, daß die Hühner bereits gegen Abend, wo es noch hell ist, nicht sehen können, läßt sich nicht beurteilen. Die Frage wird hoffentlich durch Versuche von Gelehrten beantwortet werden.

[146]. Die Farbenblindheit der Hühner. Die Hypnose des Huhns durch einen Kreidestrich.

Auf andern Gebieten hat man neuerdings das Sehvermögen der Hühner untersucht und gefunden, daß sie farbenblind sind. Sie können grün und rot nicht erkennen.

Mit der Praxis stimmt das Ergebnis schlecht überein. Denn hiernach machte das schmucke Gewand des Hahnes, mit dem er sich so stolz brüstet, auf die Hennen gar keinen Eindruck. Diese können die grünen Federn und den roten Kamm gar nicht schätzen, weil sie diese Farben nicht wahrnehmen.

Da Versuche über das Sehvermögen ungeheuer schwierig sind, so wird das Ergebnis später wohl noch berichtigt werden. Jedenfalls sind folgende Beobachtungen damit schwer in Einklang zu bringen.

Hühner scheuen die Nässe. Das sieht man dann ganz deutlich, wenn eine Glucke junge Enten ausgebrütet hat (vgl. Kap. [173]). Trotz ihrer Abneigung gegen Nässe gehen Hühner im Sommer auf die Wiesen, wenn es stark geregnet hat. Die Grashüpfer sind durch den anhaltenden Regen erstarrt und können nicht fortspringen. Die Hühner fressen sie gern und holen sie sich.

Auf einer grünen Wiese grüne Grashüpfer zu erkennen, dazu gehört ein sehr scharfes Auge. Wie das ein für Grün farbenblindes Auge leisten soll, ist nicht recht verständlich.