Von allen unseren Haustieren hat eigentlich nur der Hund wirklichen Eigentumssinn. Ein Pferd läßt sich von einem fremden Menschen stehlen, ohne sich im geringsten dagegen zu wehren.
Warum besitzt der Hund Eigentumssinn?
Wir müssen wieder bei den wilden Verwandten fragen.
Es ist klar, daß sich ein solcher Sinn bei Pflanzenfressern schwerlich entwickeln wird. Denn ein Streiten um den einzelnen Bissen findet bei ihnen nicht statt, weshalb manchmal verschiedene Tierarten friedlich nebeneinander weiden. Am bekanntesten ist das Zusammenweiden von Zebras, Gnus und Straußen in Afrika.
Wildhunde dagegen, die ein größeres Tier, einen Hirsch oder eine Antilope, erbeutet haben, kämpfen um jeden Bissen. Hieraus erklärt sich auch das für uns widerwärtige Fressen des Hundes von Erbrochenem.
Würde bei der gemeinsamen Mahlzeit ein Hund nicht schlingen, so bekäme er so gut wie gar nichts. Um recht viel zu erhalten, preßt er so viel in den Magen hinein, wie nur möglich ist. Nachher geht er abseits und gibt das Gefressene von sich. Denn alle Hundeartigen haben ihren Magen sehr in der Gewalt, weshalb es so schwer ist, Wölfe oder Füchse zu vergiften.
Weil also Wildhunde gewöhnlich jeden erhaschten Bissen verteidigen müssen, deshalb haben Hunde einen sehr ausgeprägten Eigentumssinn.
Hierzu kommt noch folgendes. Jedes Rudel bewohnt einen bestimmten Bezirk und behandelt jeden Fremden, der ihn betritt, als Feind. Auch heute noch halten die verwilderten Hunde in den türkischen Städten an bestimmten Straßen und Gassen fest. Jedes Rudel überfällt einen nicht zu ihnen gehörigen Hund und zerreißt ihn, wenn er nicht rechtzeitig flüchtet.
Jagdhunde sind gewöhnlich wenig bissig. Wenn aber ein Fremder einen von einem Jagdhunde erbeuteten Rehbock oder Hasen berühren will, dann kann er etwas erleben. Denn selbst der gutmütigste Hund wird dann gefährlich.
Es entspricht also ganz dem ausgesprochenen Eigentumssinn des Hundes, daß Peter kehrt macht gegen seinen Verfolger. Auch der Verfolger achtet das fremde Eigentum in gewissem Sinne. In Dörfern kann man das alltäglich erleben. Ein Bauer hat einen Hund, der auf der Straße jeden andern Hund anrempelt; dasselbe Tier ist sehr gesittet, wenn es der Bauer auf ein fremdes Gehöft mitnimmt. Es läßt sich auch dort von einem kleinen Köter anblaffen, der solches niemals auf der Straße wagen würde.