[171]. Warum nennt man eine falsche Zeitungsmeldung eine Zeitungsente?

Im Tiergarten werden wir von der Verstellungskunst der Entenmutter kaum etwas zu sehen bekommen. Denn das Publikum würde es verhindern, daß beispielsweise jemand einen Hund auf sie und ihre Jungen hetzt.

Wir haben bereits früher (Kap. [144]) geschildert, wie die Wildhühner ihre Jungen gegen überlegene Feinde zu schützen suchen. Wir müssen auf diese ebenso merkwürdige wie erfolgreiche Rettungsart hier bei der Mutterente nochmals zu sprechen kommen.

Die stärkeren Tiermütter verteidigen ihre Jungen durch ihre Kraft. Den meisten Friedvögeln fehlt jedoch eine solche Stärke ihrer Glieder, um damit Erfolge zu erzielen. Der Weiblichkeit liegt es nun nahe, die Kraft durch List zu ersetzen. Besonders machen schwache Tiermütter hiervon Gebrauch. Nähert man sich dem Neste eines Singvogels, so kann man oft erleben, daß das Weibchen wie tot zur Erde fällt. Um den Feind von ihren Jungen abzulenken, stellt sich die Mutter tot. Will der Feind sie haschen, so weiß sie mit großer Gewandtheit ihm zu entschlüpfen und ihn weit weg vom Neste zu führen. Fasanenmütter und Rebhühner stellen sich lahm, um den Hund oder Fuchs von ihren Jungen fortzulocken. So macht es auch die Mutterente. Obgleich sie ganz gesund ist, lahmt sie ganz auffallend. Natürlich denken Fuchs oder Hund, daß ein gelähmtes Geschöpf mit leichter Mühe zu ergreifen ist, und verfolgen sie. Auch hier versteht sie es meisterlich, die Feinde von den Jungen fortzulocken, ohne selbst erhascht zu werden.

In früheren Zeiten waren die Menschen mit der Tierwelt viel vertrauter. Die Verstellungskünste der Mutterente waren ihnen etwas ganz Bekanntes. Sie wußten, daß die Ente durch ihr Benehmen andern etwas mitteilt, was nicht wahr ist. So lag es nahe, eine Zeitungsmeldung, die etwas mitteilte, was nicht wahr ist, als Zeitungsente zu bezeichnen.

[172]. Ist die Ente wie das Huhn ein Tagtier?

Die Hühner gehen, wie wir wissen, zeitig schlafen. Wie ist es mit der Wildente?

Es ist bereits früher (Kap. [145]) hervorgehoben worden, daß die Wildente im Gegensatz zu den wilden und zahmen Hühnern auch in der Nacht tätig ist. Der Jäger weiß, daß man sich auf Enten gegen Abend am Rande eines Gewässers anstellt. Mit Einbruch der Dämmerung fangen die Enten an, auf Nahrungssuche auszugehen und zu diesem Zwecke nach Teichen oder sonstigen Gewässern zu fliegen, wo sie reichliches Futter vermuten.

Auch die Wildenten im Berliner Tiergarten haben diese Lebensweise beibehalten. Unzählige Male habe ich sie in der Nachtzeit in Tätigkeit gesehen. Es ist, wie schon hervorgehoben wurde, ein Irrtum, daß die Wildenten sich durch das elektrische Licht die Nahrungssuche in der Nacht angewöhnt haben. Auf dem Lande, wo kein elektrisches Licht strahlt, handeln sie genau ebenso.

Warum frißt die Ente nun nicht am Tage wie die Hühner? Zeit genug hat sie doch eigentlich den ganzen langen Tag über.