1. Die Verhinderung von Einbrüchen, ja von schweren Verbrechen dürfte alljährlich einen ziemlich hohen Geldbetrag ausmachen und manchem Menschen die Gesundheit, ja das Leben bewahrt haben.

2. Die Rettung von Personen durch Hunde, z. B. von Kindern, die ins Wasser gefallen waren, dürfte erheblich die Zahl der Menschenleben übersteigen, die durch Hunde verloren gegangen sind.

3. Die Leistungen als Blindenführer – von den Polizeihunden sei ganz abgesehen – zwingt uns zu einer solchen Hochachtung, daß man darüber viele Unbequemlichkeiten, die ihre Haltung mit sich bringt, übersehen muß.

4. Der Mensch lebt nicht bloß vom Brot allein. Die Kinder in der Großstadt wachsen in einem steinernen Meer auf, ohne von den Schönheiten der Natur, die das Landleben in sich birgt, etwas zu erfahren. Sie kennen die Freude nicht, wenn die Störche zurückkehren, die Schwalben eintreffen, der erste Kuckucksruf erschallt und tausend andere Dinge, deren Aufzählung zu weit führen dürfte. Und gerade das kindliche Herz hat an den Tieren die größte Freude, weil die Kinder sich unbewußt mit ihnen nahestehend fühlen. Wie oft habe ich es erlebt, daß Großstadtkinder, die sich sonst schrecklich langweilten, stundenlang mit einem Hunde, den ein Verwandter mitgebracht hatte, spielten, ja schließlich nicht in das Bett gehen wollten, weil sie sich nicht von ihm trennen konnten. Nein, diese Freude den Großstadtkindern zu rauben, brächte ich nicht übers Herz, selbst wenn der Hund noch einige Fehler mehr besäße.

5. Selbst im Interesse der Wissenschaft müßte man die Verbannung der Hunde aus der Stadt beklagen. Wer würde es von den Städtern noch zugeben, daß der Hund ein Nasentier und nicht, wie der Mensch, ein Augentier sei, wenn er nicht täglich sähe, wie der Hund sich mit andern Hunden beröche und überall an der Erde und an den Ecken seine Nase tätig sein ließe?

Trotzdem sich also mancherlei zugunsten der Haltung eines Hundes in der Stadt sagen läßt, so wird doch jeder wirkliche Tierfreund nur unter besonderen Umständen einen Hund in der Großstadt halten. Es sind nicht bloß die Belästigungen der Mitmenschen, die er vermeiden will, sondern er verzichtet darauf, einen Hund zu halten, weil er ihm nicht die Behandlung bieten kann, die das Tier braucht.

Als Hetzraubtier ist der Hund an Bewegung gewöhnt, weshalb er vor Freude hochspringt, wenn sein Herr mit ihm ausgehen will. In der Großstadt soll man nur Hunde halten, die wenig Auslauf brauchen wie unsern krummbeinigen Dachshund. Einen Windhund an der Leine herumzuführen, wie man nicht selten sehen muß, kann fast als Tierquälerei bezeichnet werden. Denn ein Geschöpf, das zu den schnellsten Säugetieren gerechnet werden kann und das in der Freiheit gewiß täglich ein paar deutsche Meilen zurücklegen würde, soll man nicht auf ein paar Schritte beschränken.

Ueber die vorhin erwähnte Stubenreinheit der Hunde wäre noch folgendes zu bemerken.

Ich entsinne mich noch aus meiner Kindheit, wie mein Vater uns zeigte, auf welche Weise ein junger Hund stubenrein gemacht wird. Er wurde mit der Nase in den von ihm gemachten Pfuhl ordentlich gestukt, bekam dann auf die Rückseite ein paar Klapse und wurde mit einem »Schämst du dich denn gar nicht« zur Türe hinausbefördert. Da ein solches Verfahren fast immer den gewünschten Erfolg hatte, so zweifelte ich keinen Augenblick daran, daß der Hund durch die Ermahnung und die Schläge ein gewisses Verständnis für das Verwerfliche seines Treibens bekam und sich besserte.