Nahen sich Fremdlinge, wie wir es sind, so haben die Wellensittiche eine Vorliebe dafür, sich schnell auf den Boden fallen zu lassen und sich zu ducken.
Hieraus sieht man, daß auch dieser Vogel von seinen ererbten Gewohnheiten vollkommen beherrscht wird. Er lebt in Australien und nährt sich von Grassamen. Wegen der Dürre dieses Landes ist er zu großen Wanderungen gezwungen. Ueppiger Graswuchs ist nur zeitweise nach den Niederschlägen vorhanden, und diese Niederschläge sind nicht häufig. Dort im grünen Grase ist sein Verstecken bei seiner grünen Färbung ein vortreffliches Mittel, um sich den Blicken des Beobachters zu entziehen. Auf dem mit Sand bestreuten Boden des Käfigs ist das Sichducken vollkommen zwecklos.
Vom Kreischen der andern Papageien merkt man beim Wellensittich nichts. Er singt vielmehr ziemlich leise und ganz angenehm.
Der größte Vorzug liegt jedoch in dem anmutigen Verhalten des Pärchens, das wie die Turteltauben das Vorbild eines zärtlichen Ehepaars liefert. Er ist der opferwillige und allzeit dienstbereite Mann, während sie das hingebende Weib ist.
Bei andern Papageien hat man auch Nachkommenschaft erzielt. Aber als viel größere Tiere brauchen sie dazu einen ziemlichen Raum. Der enge Käfig genügt ihnen nicht. Am leichtesten gelingt es, wenn man sie frei ausfliegen läßt. Immerhin muß man die Fortpflanzung anderer Papageien als Ausnahme betrachten.
Dagegen kann man von Wellensittichen regelmäßig Nachwuchs erzielen, und deshalb müssen wir sie zu unsern Haustieren rechnen.
Sie legen 4 bis 6 Eier. Der Wellensittich hat noch den weiteren Vorzug, außerordentlich anspruchslos zu sein. Das kommt natürlich daher, weil er in seiner Heimat fast nur von Grassamen leben muß.
Wegen der weiten Wanderungen in Australien muß der Wellensittich ein guter Flieger sein. Ich habe vor 20 Jahren längere Zeit einen entflohenen Wellensittich im alten Botanischen Garten beobachtet und mich über seine Flugfertigkeit sehr gefreut.
Erst seit Mitte des vorigen Jahrhunderts ist der Wellensittich zu uns gekommen.