Man glaubte also, daß der Hund als unvernünftiges Tier so wenig wisse, was ihm eigentlich gut tue, daß er aus reiner Dummheit das Gras fresse. Weil er vom Grase keine Speise oder Stärke erhält, da es wider seine Natur ist, so ist die Folge eben die Uebelkeit.

Nur ein oberflächlicher Tierbeobachter kann diesen Standpunkt einnehmen. Denn in Wirklichkeit ist es doch höchst wunderbar, daß die Tiere ohne Belehrung wissen, was ihnen gut tut, und schädliche Dinge meiden.

Das Grasfressen soll ferner folgende Gründe haben. Der Hund merkt, daß er Würmer hat. Um diese zu töten, frißt er scharfkantige Gräser, damit sie in seinem Leibe die Bösewichter zerschneiden.

Da viele Würmer durch Zerschneiden gar nicht getötet werden, so ist diese Annahme grundfalsch, wobei noch davon abgesehen werden soll, daß das verschlungene Gras gewiß zu dem erwähnten Zwecke ganz untauglich wäre.

Manche halten das Grasfressen für eine bloße Spielerei. Dem kann ich mich nicht anschließen, nachdem ich folgendes beobachtet habe.

Ein Hund hatte beim Apportieren von Korken ein kleines Bröckchen verschluckt. So sehr er bei größeren Stücken seinen Magen in der Gewalt hat, so suchte er vergeblich durch Erbrechen das Korkstückchen wieder von sich zu geben. Da der Hund hinaus in den Garten wollte, so kamen wir seinem Wunsche nach. Er fing sofort an Gras zu kauen und nach kurzer Zeit trat die erwünschte Wirkung ein. Hiernach muß ich das Grasfressen – wenigstens in manchen Fällen – für ein Brechmittel bei Magenverstimmungen halten.

Daß die Hunde sich auf dem Lande so viel wohler befinden als in der Stadt, führe ich zum Teil auf diesen Umstand zurück, daß der Hund in ländlichen Verhältnissen bessere Gelegenheit hat, seine natürlichen Heilmittel zu benutzen.

Wir begrüßen unseren Bekannten, Herrn Böhm, der mit seinem Pudel bereits am Eingange steht, und werden natürlich von dem Hunde, dem wir nicht bekannt sind, angeblafft.

Als Wachhunde sind Pudel gewöhnlich ebensowenig zu gebrauchen wie Jagdhunde. Mit Recht hat man vom Pudel gesagt, daß jemand seinen Herrn morden könne, ohne daß ihm der Pudel beistände. Auch der Jagdhund steht seinem Herrn nicht immer bei.