Jetzt verstehen wir ihren runden Rücken, der dem Erdboden ganz nahe ist. Eine solche Körperform verschwimmt mit der Umgebung. Auch ihre Ruhe ist uns jetzt ganz einleuchtend. Denn Nasentiere sind für Bewegungen besonders empfindlich.
Eine im Gebüsch oder im Versteck lauernde Schleicherin muß sich mit dem geringsten Raum begnügen. Folglich ist für ihren langen Schweif kein Platz da. Demnach muß sie ihn, um ihn unterzubringen, nach vorn krümmen. An dieses Krümmen des Schwanzes nach vorn ist die Katze seit Urzeiten so gewöhnt, daß sie den Schweif auch dann so trägt, wenn sie den weitesten Raum zur Verfügung hat.
Der Hund dagegen, der krumme Wege im allgemeinen nicht liebt und deshalb auch nicht in engen Verstecken lauert, läßt seinen Schweif beim Hinsetzen in gerader Linie liegen.
Von der Bedeutung des Schweifes in der Tierwelt werden wir noch sprechen.
Der Hase war also der Schleicherin zum Opfer gefallen, weil seine Schutzmittel ihn nicht retten konnten. Seine Schnelligkeit, sein größter Vorzug, war wertlos wegen des plötzlichen Ueberfalls. Auch seine feine Nase konnte ihm die Feindin nicht anzeigen, weil diese sich wohlweislich hinter einer bewachsenen Erhöhung geduckt hatte. So konnte der Hase sie nicht riechen. Der Hase ist wie der Hund ein Nasentier. Auch das vielgerühmte Hasenohr konnte die geräuschlose und unbewegliche Räuberin nicht wahrnehmen.
Trotz ihres Nagergebisses beißen die Hasen nur ausnahmsweise. Aber selbst wenn sich der Hase gegen die Katze wehren wollte, so war er gegen die auf dem Rücken festgekrallte und festgebissene Feindin machtlos.
[31]. Welchen Zwecken dienen die Schnurrhaare der Katze?
August besitzt, wie uns aufgefallen war, auf der Oberlippe wagerecht stehende Borsten, sogen. Schnurrhaare. Beim Hunde können wir nur einige zerstreute Haare dieser Art an dem gleichen Orte entdecken. Es ist anzunehmen, daß die Schnurrhaare für August bei seinem Räuberhandwerk irgendeinen Zweck haben. Worin dürfte dieser Zweck bestehen?
Würden wir einer Katze die Schnurrhaare abschneiden, so könnten wir die Beobachtung machen, daß sie von einer merkwürdigen Unsicherheit befallen wird. Und das mit Recht. Denn sie, die Schleicherin, liebt es, alle engen Gänge, alle Höhlungen zu untersuchen, ob nicht irgendwie etwas Beute für sie abfällt. Das Durchkriechen enger Wege kann aber leicht gefährlich werden; man kann manchmal weder vorwärts noch rückwärts. So sind kleine Affen, die in Zoologischen Gärten ausbrechen und zu diesem Zwecke sich durch enge Röhren durchzwängen wollten, steckengeblieben und elendiglich verhungert. Das kann einer Katze wie allen Tieren, die Schnurrhaare tragen, nicht gut passieren. Wird ihr Weg so eng, daß die Gefahr des Festsitzens droht, so stößt sie mit den Schnurrhaaren an. Sie fühlt das gleich und weiß: Bis hierhin und nicht weiter!
Die Schnurrhaare sind also für das Leben der Katze von der größten Wichtigkeit. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben sie. Selbst junge Katzen besitzen sie schon, denn auch sie könnten in ihrer Neugierde in ein Loch hineinkriechen und darin steckenbleiben. Wir ersehen hieraus, daß die Schnurrhaare, die manche als Schnurrbart bezeichnen, mit unserem Schnurrbart nicht das mindeste zu tun haben. Unser Schnurrbart ziert nur Männer, fehlt also den Frauen und allen Jugendlichen. Sodann hat er nicht die elastische Eigentümlichkeit der Katzenschnurrhaare, sofort in die alte Stellung zurückzukehren.