Hierzu kommt noch die Verschiedenheit des Gebisses. Die Katze mit ihrem kleinen Gebiß kann gar nicht so schnell schlingen, wie der Hund mit seinem großen Rachen. Wenn wir nach dem Zoologischen Garten gehen und uns die Fütterung der Raubvögel ansehen, so können wir bei ihnen den gleichen Unterschied wahrnehmen. Die Geier mit ihren großen Schnäbeln schlingen, weil sie in der Freiheit gemeinsam an demselben toten Tiere sich zu sättigen suchen, dagegen fressen die Falken und Adler gesittet, weil sie einzeln jagen, wie die Katze, auch nicht den mächtigen Schnabel der Geier besitzen.

Das vorhin erwähnte Sprichwort: Iß wie eine Katze und trink' wie ein Hund ist nicht ganz genau. Denn auch die Katze lappt das Wasser genau wie der Hund. Jedenfalls ist sie keine Säuferin, so daß es einfacher wäre zu sagen: Nimm dir beim Essen und Trinken die Katze zum Vorbild.

[34]. Die Katzenwäsche. Sind Katzenhaare giftig?

August hat sich nach dem Essen geputzt. Die Katze gilt als ein sehr reinliches Tier. Mit dieser Reinlichkeit ist es allerdings schwer zu vereinigen, daß das Waschen nur mit der beleckten Pfote geschieht. Von einem Kinde, das sich aus Abneigung gegen das Wasser ganz oberflächlich reinigt, sagen wir daher, daß es »Katzenwäsche« liebe.

Vergleichen wir damit das Benehmen unserer Sperlinge. Es hat vor einiger Zeit geregnet, und es sind noch einige Pfützen auf der Straße. An einer von Menschen nicht begangenen Stelle sehen wir die Sperlinge sich zu einem Bade drängen. Sie tauchen ordentlich in das Wasser ein und machen sich manchmal so gründlich naß, daß ihnen das Fliegen schwer fällt.

Warum nimmt sich August die Sperlinge nicht als Vorbild oder geht wie der Hund in das Wasser hinein, um ein erquickendes Bad zu nehmen?

Abneigung gegen die Reinlichkeit kann es nicht sein, denn das Putzen ist bei der Katze so auffällig, daß man einen Menschen, der sehr viel auf sein Aeußeres verwendet hat, als »geleckten Kater« bezeichnet.

Auch sonst ist die Katze nicht pimplig, was man im Winter, wenn Schnee und Kälte herrschen, oft genug auf den Feldern beobachten kann. Stundenlang kann sie trotz starken Frostes regungslos sitzen, so daß sie gegen Kälte ziemlich unempfindlich sein muß.

Der Grund für das Waschen mit der feuchten Pfote muß also anderswo liegen. Er dürfte in dem Bau ihrer Haare zu suchen sein. Diese sind so fein, daß nicht einmal eine Fliege auf ihnen sitzen kann.

Den Landleuten ist es längst aufgefallen, daß Fliegen, die den Hund furchtbar belästigen, der Katze fast aus dem Wege gehen. Natürlich versucht auch eine Fliege, sich auf einer Katze niederzulassen. Aber bald kommt sie dahinter, daß ihr das nicht gelingt, und sie fliegt weiter.