Die Beobachtung dieser Fähigkeit der Katze ist sehr alt, denn es gibt das Sprichwort: Katzen und Herren fallen immer auf die Füße.

Ein Irrtum dürfte es sein, daß die Katze mit dieser Fähigkeit ganz einzig in der Tierwelt dasteht. Noch niemals hat man einen totgefallenen Affen, Marder, Eichhörnchen u. dgl. gefunden, so daß also wahrscheinlich alle Baumkletterer bei einem Absturze, wie die Katze, auf die Füße fallen. Aehnlich liegt die Sache mit der Schwindelfreiheit der Gebirgstiere. Steinböcke, Wildziegen, Gemsen und andere Bewohner des Gebirges können in die schrecklichsten Tiefen sehen, ohne daß sie es rührt, während wir Menschen leicht vom Schwindel gepackt werden.

Jetzt soll Hans in einen dunklen Raum gebracht werden, damit wir seine Augen leuchten sehen. Augenblicklich sind bei ziemlich heller Beleuchtung seine Pupillen bis auf einen Spalt zusammengezogen, so daß fast die ganze gelbe Iris oder Regenbogenhaut sichtbar ist. Das Augenleuchten ist übrigens nicht nur eine Eigentümlichkeit der Katzen, sondern auch anderer Tiere, der Hunde, Pferde, Kühe usw. Es beruht zum Teil auf dem feineren Bau des Auges, zum Teil auf dem im Hintergrunde des Auges befindlichen tapetum lucidum, d. h. Stellen, welche die Fähigkeit besitzen, stark Licht zurückzuwerfen. Die Augen leuchten, sobald sie in der Dunkelheit von einem Lichtstrahl getroffen werden.

Leider befindet sich in der Wohnung keine ganz dunkle Kammer. Wir müssen uns damit begnügen, daß Hans von seiner Herrin in den dunklen Korridor gebracht wird. Hier kann man sich deutlich davon überzeugen, daß die Augen der Katzen im Dunkeln, wenn gewisse Voraussetzungen fehlen, nicht leuchten. Es ist also ein Irrtum, wenn Eulen auf Bildern mit leuchtenden Augen dargestellt sind. Das ist nur der Fall, wenn ein Lichtstrahl in sie hineinfällt, wovon man sich im Zoologischen Garten überzeugen kann.

Der Versuch mit dem Oeffnen der Tür, um durch einen Spalt Licht in Hansens Augen fallen zu lassen, gelingt nur mäßig. Ueberhaupt ist für unsere Zwecke der sehr helle Frühlingstag recht ungünstig. Nur in dem Augenblicke, wo das Licht die Augen trifft, leuchten sie auf.

Das Augenleuchten der Tiere hat den Anlaß zu der höchst wichtigen Entdeckung des Augenspiegels gegeben.

[40]. Wie fängt die Katze Mäuse? Die Katze als Vogelfeindin.

Ein Rotschwänzchen, das sich auf dem Balkon niedergelassen hat, veranlaßt Hans zu einem sehnsüchtigen Blicke nach dem schmucken Tierchen. Zwar besteht keine Gefahr für den zutraulichen Vogel, denn die Tür ist fest geschlossen. Auch erhält er von seiner Herrin eine ernste Verwarnung. Ob sie helfen wird, muß man allerdings bezweifeln.

Der Katze ist von der Natur die Nahrung von Vogel- und Nagerfleisch bestimmt. Es ist uns natürlich sehr angenehm, daß sie Mäuse und Ratten frißt. Im Gegenteil; sie kann uns auf diesem Gebiete gar nicht genug leisten. Es will uns aber gar nicht gefallen, daß sie auch gern Hasen und Kaninchen verzehrt. Am schlimmsten aber ist es, daß sie durch ihre Vorliebe für die Singvögel zu ihrer Ausrottung beiträgt. Wie manche brütende Nachtigall, deren Nest durch den Gesang des Männchens verraten wurde, hat in dem Magen einer Katze ihr Ende gefunden!