Die Katze ist wie geschaffen, den auf dem Erdboden oder Baume weilenden Vogel zu haschen. Ich beobachtete einmal auf dem Lande, wie eine Katze einen ausgewachsenen Sperling fing. Und gerade unser Sperling pflegt kein Dummkopf zu sein.

Alle Vögel kennen ihren grausamen Feind und machen oft den Menschen auf eine Katze aufmerksam. Beispielsweise kann man mit Sicherheit darauf rechnen, daß, wenn im Frühjahr das anhaltende Zetern der Amseln aus einem Garten ertönt, sich eine Katze hereingeschlichen hat und die Jungen gefährdet. Sie ist auch wie geschaffen zur Verzehrerin eines Vogels, da sie mit ihren Pranken den Vogel meisterhaft rupft. Man versteht, wenn man ihr zuschaut, weshalb ein Hund niemals so gierig auf Vogelfleisch sein wird. Ihm fehlt das Werkzeug, um die Federn schnell zu entfernen.

Um ihren Hans in ein besseres Licht zu rücken, erzählt uns Fräulein Bachmann von seinen vortrefflichen Leistungen als Mäusefänger. Leider können wir bei dieser Tätigkeit nicht zugegen sein, denn in der Wohnung sind keine Mäuse. Er wird, wie schon erwähnt wurde, abends nach dem Kohlenplatz gebracht. Nach den Angaben des Kohlenhändlers hat er sehr unter den Mäusen aufgeräumt, was wir schon glauben können.

Auf Bildern werden mäusefangende Katzen nicht selten so dargestellt, daß sie vor dem Mäuseloch sitzen und gewissermaßen hineinsehen. Das dürfte nicht richtig sein. Ich stimme nach meinen Beobachtungen den Schilderungen eines bekannten Naturforschers bei, von denen hier folgende Stelle ihren Platz finden möge.

Ich habe sie, schreibt er, öfters beobachtet, wenn sie so auf der Lauer sitzt, daß sie mehrere zusammenhängende Mauselöcher um sich hat. Sie könnte sich gerade vor ein am Rande des Ganzen stehendes hinsetzen und so alle leicht überschauen. Das tut sie aber nicht. Setzte sie sich vor das Loch, so würde das Mäuschen sie leichter bemerken und entweder gar nicht herausgehen oder doch schnell zurückzucken. Sie setzt sich also mitten zwischen die Eingänge und wendet Auge und Ohr dem zu, in dessen Nähe sich unter der Erde etwas rührt, wobei sie so sitzt, daß das herauskommende Geschöpf ihr den Rücken zukehren muß und desto sicherer gepackt wird. Sie sitzt so unbeweglich, daß selbst die sonst so regsame Schwanzspitze sich nicht rührt; es könnten sonst durch ihre Bewegung die Mäuschen, welche nach hinten heraus wollen, eingeschüchtert werden. Kommt vor der Katze ein Mäuschen zutage, so ist es im Augenblick gepackt; kommt eins hinter ihr heraus, wo sie es nicht sehen kann, so ist es ebenso schnell gepackt. Sie hat nicht bloß gehört, daß es heraus ist, sondern auch so genau, als ob sie es sähe, wo es ist; sie wirft sich blitzschnell herum und hat es, nie fehlend, unter den Krallen. Uebrigens vermag sie weit mehr zu leisten. Ich hatte mich bei warmer, stiller Luft in meinem Hofe auf einer Bank im Schatten der Bäume niedergelassen und wollte lesen. Da kam eins von meinen Kätzchen schnurrend und schmeichelnd heran und kletterte mir nach alter Gewohnheit auf Schulter und Kopf. Beim Lesen war das störend, ich legte also ein zu solchem Zweck bestimmtes Kissen auf meinen Schoß, das Kätzchen darauf, drückte es sanft nieder, und nach zehn Minuten schien es fest zu schlafen, während ich ruhig las und um uns her Vögel sangen. Das Kätzchen hatte den Kopf, also auch die Ohren, südwärts gerichtet. Plötzlich sprang es mit ungeheurer Schnelligkeit rückwärts. Ich sah ihm erstaunt nach; da lief nordwärts von uns ein Mäuschen von einem Busch zum andern über ein glattes Steinpflaster, wo es natürlich gar kein Geräusch machen konnte. Ich maß die Entfernung, in welcher das Kätzchen die Maus hinter sich gehört hatte; sie betrug 13,5 Meter.

Das Gehör der Katze ist, wie wir aus eigener Beobachtung bestätigen können, ungeheuer fein. Sie macht uns auf die Ankunft einer Person aufmerksam, deren Schritte wir überhört hatten.

Auch der Hund hört sehr fein, wie schon früher aus der Schilderung des Jagdhundes und der beiden Spitze hervorging (Kapitel [23]). Man kann das oft daran erkennen, daß er plötzlich anscheinend grundlos bellt. Trotz angestrengten Horchens kann ein Mensch nicht das geringste Geräusch hören. Endlich kommt man hinter den Grund seiner Erregung. Jeder Hund hat regelmäßig einen Feind. Dieser nähert sich unserem Hause. Es ist erstaunlich, aus welcher Entfernung der Hund die Annäherung seines Feindes wahrnimmt. Der Mensch, der z. B. einen Vogelruf wahrnimmt, weiß häufig nicht, wo der Vogel sitzt und sieht sich vergeblich nach dem Tier um. Die Katze hört nicht nur, daß eine Maus kommt, sondern sie weiß auch sofort, von welcher Stelle sie kommt.

Man hat sich häufig darüber gewundert, daß die Katzen und die meisten Hunde von der Musik nichts wissen wollen. Für ihre feinen Ohren ist eben unsere Musik viel zu grell.

[41]. Warum schüttelt die Katze beim Fressen den Kopf?

Um mich bei Hans und seiner Herrin beliebt zu machen, habe ich für ihn ein paar Bücklingsköpfe mitgebracht. Sie werden dankbar in Empfang genommen. Während des Fressens schüttelt Hans häufig den Kopf, was man bei fressenden Katzen nicht selten sieht. Zu schütteln ist eigentlich an dem toten Bücklingskopf nichts.