Ich erkläre mir das so. Wildkatzen fressen mit Vorliebe knochenloses Fleisch. Es ist seit Jahrtausenden bekannt, daß der Löwe, also die größte Katze, zunächst die Eingeweide frißt. Um zu den Eingeweiden zu gelangen, muß die Katze den Kopf in den Leib ihrer Beute stecken. Da ihr Fell, wie wir wissen, sehr empfindlich gegen Nässe ist, so muß sie ihren Kopf gegen die Beschmutzung mit Blut und dergleichen zu schützen suchen. Um das zu erreichen, schüttelt sie mit dem Kopfe.

Bücklinge, wie Fische überhaupt, frißt die Katze deshalb gern, weil die Wildkatzen trotz ihrer Abneigung gegen das Wasser sehr geschickte Fischfänger sind. Sie lauern regungslos am Wasser und wissen den arglosen Fisch durch einen blitzschnellen Prankenschlag aufs Land zu werfen. Hierbei machen sie sich so gut wie gar nicht naß.

Eine in der Großstadt geborene Katze zeigte mir einmal, wie festgewurzelt das Fischefangen in ihrem Triebleben haftet. Ich hatte einen Strumpf zum Baden benutzt, und, um die Seife auszuwässern, ihn in eine Wanne gelegt. Bei meiner Arbeit am Schreibtische hatte ich das schon längst vergessen, als ein Geräusch meine Aufmerksamkeit auf die Wanne lenkte. Eine meiner Katzen saß mit gespanntester Aufmerksamkeit am Rande der Wanne und suchte durch einen Prankenschlag den Strumpf hinauszuschlagen. Der dunkle Strumpf im klaren Wasser hatte also genügt, ihre von den Vorfahren ererbte Erinnerung an den Fischfang wachzurufen.

Bei dieser Gelegenheit können wir zugleich das natürliche Futter der Katze feststellen. Das vor dem Kriege in der Großstadt übliche Füttern mit Pferdefleisch kann man nicht als naturgemäß bezeichnen. Ich habe selbst erlebt, daß dauernd mit Pferdefleisch gefütterte Katzen sich wie tollwütig benahmen. Wunderbar ist das auch nicht weiter, denn das Fleisch der Mäuse und Vögel ist nicht annähernd so gehaltreich wie das Pferdefleisch.

Weil Pferdefleisch die übliche Nahrung in den Zoologischen Gärten ist, deshalb sterben auch alle Raubtiere sehr schnell, die in der Freiheit keine Pferde oder ähnliche Tiere, wie Zebras, Esel und andere Einhufer fressen. Obwohl Luchse in Deutschland heimisch waren, und die Wildkatze es noch heute ist, können sie die Fütterung mit Pferdefleisch auf die Dauer nicht vertragen. Ebenso sterben Habichte, Wanderfalken, Sperber und andere Raubvögel sehr bald, wenn sie mit Pferdefleisch gefüttert werden, obwohl diese Vögel unsere Heimat bewohnen.

Die praktischen Amerikaner sollen, wie ich gelesen habe, ihre Katzen mit Eingeweiden füttern. Das wäre sehr klug, denn die Katze hat eine ausgesprochene Vorliebe für die Eingeweide. Sollten wir also wieder einmal eine solche Nahrungsfülle haben, wie es vor dem Kriege der Fall war, dann wäre es zweckmäßig, einer Großstadtkatze, der man keine Nager oder Vögel vorsetzen kann, Fische zu geben und vom Pferde die Eingeweide.

Von den Naturforschern wird das scharfe Gebiß der Katzen sehr gepriesen, weil die Zähne infolge ihres Baues eine furchtbare Wirkung ausüben. In Wirklichkeit sieht die Sache ganz anders aus. Keine Katze verteidigt sich gegen einen Hund mit dem Gebiß. Keine Katze kann, wie schon erwähnt wurde, einen Fuchs abwürgen, was doch der nicht größere Dachshund oft tut. Keine Katze befreit sich aus einer Holzkiste, wenngleich ihre Wände dünn sind. Der Hund dagegen zerbeißt, wie wir von der Dogge Tom hörten, Kisten, die für bedeutend stärkere Raubtiere berechnet sind.

Bei den großen Katzenarten können wir genau das Gleiche beobachten. Der Löwe überläßt doch nicht den Hyänen und Schakalen die Reste seiner Beute, weil er großmütig ist, sondern weil er die starken Beinknochen nicht zerbeißen kann.

Auch unsere Hauskatze denkt nicht daran, sich mit einer anderen Katze wegen eines Knochens zu balgen, wie es doch der Hund gewohnheitsmäßig tut. Das kommt eben daher, weil der Hund mit seinem starken Gebiß spielend kräftige Knochen zerbeißt, während die Katze ihm das nicht nachmachen kann.