Gerade dadurch ist die Katze so recht in den Ruf der Naschhaftigkeit gekommen. Sie will keine Knochensammlung haben wie der Hund, sondern bevorzugt reines Fleisch, insbesondere Eingeweide. So eine zarte Rehleber ist ganz nach ihrem Geschmack. Natürlich sind wir wütend, daß uns die Katze bestiehlt und obendrein noch das nimmt, was für den Hausherrn bestimmt war.
Rehlebern sind nicht bloß für uns Menschen wohlschmeckend, sondern auch ein naturgemäßes Futter der Wildkatze. Die Katze ist also eigentlich nicht naschhaft, sondern ihre naturgemäße Nahrung umfaßt wegen ihres kleinen Gebisses Dinge, die uns besonders gut schmecken.
Gegen Salz hat die Katze eine noch größere Abneigung als der Hund.
Mäusefleisch kann nicht sehr gehaltreich sein, denn sonst könnten nicht Katzen und Eulen eine so ungeheure Anzahl davon verzehren.
Die Aehnlichkeit zwischen Katzen und Eulen besteht übrigens nicht nur in ihrer Vorliebe für Nagerfleisch. Man hat mit Recht die Eule als geflügelte Katze bezeichnet. Wie diese ist sie eine nächtliche Räuberin und gleicht ihr auch vollkommen an Lautlosigkeit.
An Ratten wagt sich nicht jede Katze. Aber die Anwesenheit einer Katze ist auch den Ratten nicht angenehm und veranlaßt sie manchmal, das ungemütlich gewordene Heim zu verlassen.
Zeigen sie sich in einem Gehöft in großer Anzahl, so bekämpft man sie erfolgreicher mit Rattenfängern, also schnellen, bissigen Hunden, wie Pinschern und Terriern, als mit Katzen.
Es mag übertrieben sein, wenn man in England und in anderen Ländern in den Katzen die größten Wohltäterinnen für die Menschheit, insbesondere für die Landwirtschaft erblickt. Aber das läßt sich nicht leugnen, daß unsere Ernten zum größten Teil von den Nagern aufgefressen werden würden, wenn wir nicht in den Katzen erfolgreiche Bundesgenossen besäßen.
Sonst macht sich die Katze noch dadurch nützlich, daß sie Schlangen tötet und Maikäfer und andere Insekten frißt. Spitzmäuse frißt sie nicht, tötet sie aber. Das muß ihr als Nachteil angerechnet werden, denn die Spitzmaus ist als ein insektenfressendes Geschöpf ein nach unseren Begriffen nützliches Tier. Wahrscheinlich frißt sie die Spitzmaus wegen ihres Moschusduftes nicht. Umgekehrt fällt es auf, daß sie Baldrian sehr liebt und sich wie berauscht auf ihm wälzt.
Wegen ihrer großen Nützlichkeit wird man ihr manche Unart oder, genauer ausgedrückt, manche uns unangenehme Eigenschaft verzeihen, so ihre angeborene Sucht, den Vögeln, insbesondere den Singvögeln, nachzustellen.