Auch hier gilt das vom Hund Gesagte: Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Berühmte Männer haben erklärt, daß sie die Erinnerung an manche Katze im Elternhause nicht um vieles hergeben möchten.
[42]. Die Rassen der Katze. Alter und sogenannte Erziehung.
Hans ist eine weiß und braunrötlich gefärbte Katze, wie man sie häufig sieht. Auch die Katze gehört zu den Säugetieren. Ihr Raubtiergebiß besteht aus zwölf kleinen Schneidezähnen, vier starken Eckzähnen und oben acht, unten sechs Backzähnen. Die Katze ist ebenfalls wie der Hund ein Zehengänger. Die Beine sind mäßig hoch und sind mit zurückziehbaren Krallen versehen. An den Vorderfüßen bemerken wir fünf, an den Hinterfüßen vier Zehen. Besonders auffallend ist der kugelrunde Kopf, die schon besprochenen Schnurrhaare, der lange Schwanz und das biegsame Rückgrat.
Von Rassen der Katze ist wenig zu sagen, da für uns in Deutschland nur noch die Angorakatze zu erwähnen ist. Sie zeichnet sich durch ein langes, seidenweiches Haar aus. Auch sind ihre Lippen und Fußsohlen fleischfarben.
Es besteht Streit darüber, ob unsere Hauskatze von der ägyptischen Falbkatze oder unserer heimischen Wildkatze abstammt. Jedenfalls ist die Hauskatze, verglichen mit Pferden, Hunden und anderen Haustieren, ein junges Haustier, da sie in Europa den alten Kulturvölkern, also den Griechen und Römern, unbekannt war.
Der Hund erreicht mit einem halben Jahre seine volle Größe, ebenso die Katze. Ueberhaupt dürften sie beide das gleiche Alter erleben.
Die Paarung der Katzen findet zweimal im Jahre statt, und zwar das erstemal im Januar oder Februar. Die sonst so schweigsamen Tiere stimmen jetzt ein Geschrei an, um sich gegenseitig zu finden. Für unsere Ohren klingt dieses Geschrei abscheulich, weshalb wir von diesem »Lied« der Katzen behaupten, daß es »Steine erweichen und Menschen rasend machen kann«. Ueberhaupt nennen wir eine Musik, die unsere Ohren zur Verzweiflung bringt, eine Katzenmusik.
Die Tragezeit der Katze ist um eine Woche kürzer als beim Hunde. Die Anzahl der Kleinen beträgt etwa fünf bis sechs. Hieraus ersehen wir, daß die Katze ziemlich viel Feinde haben muß. Das trifft auch zu, wie in dem Abschnitt über die Feinde der Katze geschildert werden soll. Auch die Katzenjungen können nicht gleich sehen, sondern erst in neun Tagen.
Wie die Hündin, so ist auch die weibliche Katze eine ausgezeichnete Mutter. Ihre Liebe zu ihren Kleinen ist so groß, daß sie unbedenklich das größte Opfer bringt. Für die Mutterliebe der Hündin sei hier folgender Fall angeführt. Eine Jagdhündin war von ihrem Herrn, einem Rittergutsbesitzer an der Saale, in hochträchtigem Zustande mit auf ein zwei Stunden entferntes, am anderen Ufer der Saale gelegenes Gut genommen worden und warf hier acht Junge. Der Besitzer, der wußte, daß sie bei seinem Freunde gut aufgehoben sei, fuhr ohne das Tier nach Hause, war aber auf das Aeußerste erstaunt, als bereits anderen Morgens vier Uhr die Hündin mit ihren acht Jungen sich bei ihm einstellte. Der Hund mußte hiernach fünfzehnmal die Saale durchschwommen haben, um seine Lieblinge nach Hause zu bringen – abgesehen von dem dabei zurückgelegten Landweg.