2. Unter natürlichen Verhältnissen läuft deshalb das Pferd gegen den Wind, um zu wissen, ob Gefahr besteht. Dieses Laufen gegen den Wind kann aber der Mensch bei der Benutzung der Pferde nicht immer durchführen. So kommt es, daß das Pferd vor ganz harmlosen Sachen scheut, einem Stück Papier, einem weißen Stein und dergleichen.
Das Durchgehen, das dem Scheuen häufig folgt, hat die Ursache, daß es die natürliche Rettung des Pferdes in der Steppe ist.
In der Steppe gibt es keine Häuser oder Bäume, gegen die ein Pferderudel stürzen kann. Deshalb kann das sinnlose Laufen in der Steppe auch keinen Schaden anrichten.
Bei uns kann natürlich ein durchgehendes Pferd das größte Unheil verursachen. Die Insassen des Wagens werden häufig herausgeschleudert, fremde Personen überfahren usw. Auch das Pferd selbst geht oft zugrunde, weil es gegen einen Baum oder anderen festen Gegenstand gerannt ist. Durch Gewalt ist bei einem durchgehenden Pferde wenig auszurichten, da die Kraft des Tieres in diesem Zustande ganz außerordentlich ist.
Bei einem Ochsengespann wird ein Scheuen und Durchgehen der Tiere nur selten vorkommen. Das rührt daher, weil das Rind im Gegensatz zum Pferd eine Rettung nicht in der Flucht sucht, sondern mutig auf den Gegner einstürmt. Das Pferd ist also, wie Hirsche, Rehe, Hasen ein sogenannter fliehender Pflanzenfresser, während das Rind mit den Elchen, Büffeln, den größten Affenarten zu den wehrhaften Pflanzenfressern gehört. Die wehrhaften Pflanzenfresser flüchten nur ausnahmsweise vor einem sehr starken Raubtiere, und zwar die Weibchen leichter als die viel stärkeren Männchen.
[51]. Die Bodenscheu.
Ein Berliner Droschkenpferd wird selten zur Bodenscheu neigen. Das kommt daher, weil es nicht aus Gegenden stammt, wo noch Wölfe heimisch sind. Deshalb findet man unter den ungarischen und russischen Pferden am häufigsten Bodenscheu.
Unter Bodenscheu versteht man die unbegründete Furcht eines Pferdes vor dunklen Stellen auf dem Erdboden.
Bereits von dem berühmten Pferde Alexanders des Großen, das Bukephalus hieß, wird uns erzählt, daß es sich vor seinem eigenen Schatten gefürchtet habe. Das heißt mit anderen Worten, daß es bodenscheu war. Man sieht daraus, daß ein hervorragend tüchtiges Pferd auch diese Eigentümlichkeit besitzen kann.