Ebenso ist es nicht ratsam, einem abendländischen Pferde die Kötenschöpfe abzuschneiden, damit die Leute denken sollen, es sei ein morgenländisches. Unter Köte versteht man die hintere Seite der Zehe, und die an den Köten befindlichen Haare werden als Kötenschöpfe bezeichnet, wie wir sie an den Rollkutscherpferden sehen können, wo sie sehr üppig wachsen. Jedenfalls soll man sie nicht im Winter abschneiden, da sie gegen Schnee und Schneewasser einen vortrefflichen Schutz bilden und dadurch die Mauke, die Entzündung der Köten, verhindern.
Unterdessen ist die Sonne ziemlich hochgestiegen und scheint den Tieren ordentlich auf den Leib. Ist es nun nicht eine Tierquälerei, die Pferde in der prallen Sonne stehen zu lassen?
Selbstverständlich wird man sie bei glühender Sonnenhitze in den Schatten bringen, wenn man eine schattige Stelle in der Nähe hat. Im übrigen vertragen unsere Haustiere die Hitze ganz verschieden. Ein Schwein kann schon daran sterben, wenn man es an einem glühend heißen Sommertage auf den Wagen befördert.
Dagegen können Pferde furchtbar viel Hitze vertragen. Das kommt daher, weil ihre Vorfahren seit Urzeiten den erbarmungslosen Strahlen der Sonne in der Steppe standhalten müssen.
Niemals wird es daher vorkommen, daß Wettrennen deswegen abgesagt werden, weil es an dem Tage zu heiß ist. Dabei müssen sich die Pferde bei den Rennen aufs äußerste anstrengen. Würde ihnen die Hitze nachteilig sein, so ließe kein Rennstallbesitzer seine Pferde laufen. Denn er würde sich hüten, sich großen Verlusten auszusetzen.
Es war von den Tierschutzvereinen sehr gut gemeint, als sie vor etwa zehn Jahren den Omnibuspferden Strohhüte aufsetzten. Aber sie waren, wie wir sahen, ganz überflüssig und sind deshalb auch nach kurzer Zeit verschwunden.
Uebrigens nennt man bei einem Zweigespann das vom Kutschersitz rechts befindliche Pferd Handpferd, das linke dagegen Sattelpferd. Denn bei ziehenden Pferden wird der Reiter stets links sitzen. Das linke Pferd trägt also Sattel und Reiter, der mit der Hand das rechts befindliche Pferd lenkt. So erklären sich die Bezeichnungen Sattelpferd und Handpferd.
[59]. Andere Eigentümlichkeiten des Pferdes.
Die Rollwagenpferde werden jetzt getränkt, wobei wir sehen, daß etwas Neid oder wenigstens Mißgunst der Seele des Pferdes nicht ganz fremd ist. Das dem Brunnen zunächststehende Sattelpferd wird zuerst getränkt, aber das Handpferd sucht fortwährend seinen Kopf ebenfalls in den Tränkeimer zu stecken, wozu der Platz nicht ausreicht.