Es ist merkwürdig, welchen Wert Pferde auf gutes Wasser legen.
Das kommt daher, weil die Wildpferde täglich in der Steppe zur Quelle laufen und dort sehr gutes und klares Wasser trinken.
Ein Gestüt, das kein gutes Wasser besitzt, wird niemals auf die Dauer große Erfolge erzielen.
Der Hund als früheres Raubtier muß dagegen aus jeder Pfütze trinken können und wird deshalb nicht krank, wie ein Pferd, wenn er dauernd schlechtes Wasser bekommt.
Jeder Kutscher weiß übrigens, daß die Pferde gewisse Brunnen bevorzugen und das Wasser von manchen Brunnen nicht saufen mögen.
Während wir noch stehen und zuschauen, kommt eine Kutsche vorbei, deren Pferde Aufsatzzügel tragen. Durch den Aufsatzzügel wird den Pferden die Möglichkeit genommen, den Kopf nach unten zu senken und wieder nach oben zu bringen, wie es alle Pferde tun. Dieses »Tunken« mit dem Kopfe finden manche Leute nicht schön. Sie bringen deshalb durch den Aufsatzzügel den Kopf des Pferdes dauernd hoch. Das soll nach der Ansicht dieser Pferdekenner einen vortrefflichen Eindruck machen.
Jeder Mensch, der sich eingehend mit dem Tierleben beschäftigt, wird zu einem ganz anderen Ergebnis gelangen. Das Tunken mit dem Kopf beim Pferde hat natürlich einen Zweck, und zwar einen sehr wichtigen. Wir sprachen früher davon, daß wilde Pferde stets gegen den Wind laufen, um vorher einen etwaigen Feind zu wittern. Dieses Mittel ist ohne Frage ausgezeichnet. Denn das Riechvermögen des Pferdes ist so gut wie das eines Hundes, obwohl es den wenigsten Menschen bekannt ist. Trotzdem kann es vorkommen, daß ein auf dem Boden lauerndes Raubtier nicht gerochen wird. Wie wir das nicht sehen können, was hinter unserem Rücken ist, so kann das Pferd das nicht riechen, was am Boden sich an Gerüchen entlangzieht. Weht also der Wind die Ausdünstung des am Boden liegenden Wolfes der Pferdenase entgegen, so kann diese leicht nichts davon merken, wenn sie stets in Kopfhöhe bleibt. Dann geht die Raubtierausdünstung durch die Beine durch.
Um das zu verhindern, tunkt das Pferd. Es senkt den Kopf, um rechtzeitig die Anwesenheit eines am Boden lauernden Feindes wahrzunehmen.
Selbstverständlich ist es eine große Tierquälerei, einem Haustiere die seit Urzeiten geübten Vorsichtsmaßregeln unmöglich zu machen. Es ist kein Wunder, daß Pferde mit Aufsatzzügeln erst recht zum Scheuen neigen.
Was würden wir Menschen sagen, wenn wir durch einen Kopfhalter gezwungen wären, stets geradeaus zu sehen, ohne uns nach rechts oder links umschauen zu können, wie wir es doch von jeher gewöhnt sind!