Der Aufsatzzügel muß also als Tierquälerei bezeichnet werden. Hier können Tierschutzvereine segensreich wirken, wenn sie für seine Abschaffung eintreten.

Aus dem Leben der Wildpferde erklärt sich ferner der Satz: Hüte dich vor den Vorderbeinen des Hengstes und vor den Hinterbeinen der Stute.

Der Hengst als Beschützer seines Rudels greift eben den Feind, namentlich den Wolf, mit den Vorderbeinen an. Auch packt er ihn mit den Zähnen, weshalb gerade Hengste bissig zu sein pflegen. Die Stute dagegen verteidigt sich und ihr Fohlen durch Auskeilen nach hinten.

Es erklärt sich hieraus ferner, daß bösartige Pferde die Ohren zurückziehen. Wollen nämlich zwei Pferde miteinander kämpfen, so suchen sie zu verhindern, daß der Gegner sie mit den Zähnen an den Ohren packt. Aus diesem Grunde ziehen sie die Ohren zurück.

Sieht man also, daß ein Pferd die Ohren zurücknimmt, so ist immer Vorsicht am Platze. Das ist z. B. bei manchen Pferden der Fall, wenn sie fressen. Alle Tiere sind bei ihrer Mahlzeit mehr oder weniger angriffslustig. Katzen fauchen, wenn sie gerade einen besonders schönen Bissen fressen, Hunde können ihren eigenen Herrn beißen, falls er ihnen einen Knochen fortnehmen will, und selbst sonst fromme Pferde sind nicht immer beim Fressen zuverlässig.

[60]. Kummet- und Sielengeschirr. Warum ist das Fahren älter als das Reiten?

Die Rollwagenpferde haben, wie wir sahen, ein Kummetgeschirr, also ein Geschirr, das um den Hals läuft. Die Kutschpferde dagegen, auch die Droschkenkutschpferde, haben gewöhnlich ein solches Kummetgeschirr nicht. Hier ziehen die Pferde nur mit der Brust, da sie ein Sielengeschirr haben.

Es ist augenscheinlich, daß ein Pferd im Kummetgeschirr viel besser ziehen kann als im Sielengeschirr. Wenn man trotzdem Kummetgeschirre nur bei schweren Lastwagen sieht, so liegt das daran, daß ein Kummetgeschirr nichts taugt, wenn es nicht gut paßt. Gerade damit hapert es aber gewöhnlich.

Während wir uns die Rollwagenpferde ansehen, kommt ein Reiter vorbei, und wir können uns so recht den Unterschied zwischen einem schweren Pferde des abendländischen Schlages und einem leichten Pferde des morgenländischen Schlages vergegenwärtigen. Die gewaltigen Formen der Wagenpferde mit ihren plumpen dicken Beinen stehen im Gegensatz zu den schlanken Beinen des geschmeidigen Reitpferdes.