Etwas benommen schließt man im ersten Moment die Augen vor der blendenden Helle, und wie um das große Erlebnis noch ein wenig zu verzögern, haftet der Blick zuerst an dem üppig grünen Eiland, das sich hier an den Saum der Wüste geflüchtet hat. Tausende und Abertausende von herrlichen Palmbäumen stehen dichtgedrängt. So nahe sind sich ihre Kronen, daß man glaubt, darüber hinwegschreiten zu können. Wohin man blickt, ein Wachsen und Sprießen. Dank den Wassern des Oued Kantara, die in vielen kleinen Rinnsalen durch das Gelände geleitet sind, herrscht eine fast übertriebene Fruchtbarkeit. In das saftige Grün gebettet und um die Insel herum, wie Perlen eines Rosenkranzes aneinandergereiht, liegen fensterlose Lehmhütten mit flachen Dächern, in jeder Hinsicht völlig anderen Charakters als alles, was wir bis dahin gesehen hatten.

Und nun von diesem lieblichen Bilde hinweg wagt man hinauszuschauen in die unter glühender Sonne sich dehnende Sahara. Ist es die Wüste, wie wir sie uns als Kind nach Märchenerzählungen vorgestellt haben, wie sie uns nach Begebenheiten aus der Bibel nahegebracht, wie wir sie in Romanen geschildert fanden? Etwas von alledem und doch anders!

Eine unbeschreiblich herbe Größe liegt über dieser baum- und strauchlosen Öde, eine rätselhafte Größe, hinter der man grausige Geheimnisse vermutet, eine gewaltige Größe, die ahnen läßt, wie erbarmungslos und unerbittlich sie mit ihren Opfern verfahren muß. Welche Offenbarungen mochte dieses Land wohl für uns bereithalten?

Noch einmal lenken wir unsere Blicke rückwärts. Wie eine unüberwindliche Mauer zieht sich die Gebirgskette des Tell von Ost nach West. Nur ein kleiner, halbkreisförmiger Ausschnitt unterbricht die schroff gezackte Gipfellinie. Es ist der Ausschnitt, durch den wir hereingeschlüpft sind, und den die Araber den »Mund der Wüste« nennen.

Wir passieren, immer dem Flußbett folgend, El-Outaya, die erste Oase auf dem Wege in das weite Sand- und Geröllgefilde, und dann hat die Bahn ihr letztes Ende erreicht. Wir halten in Biskra.

Alt-Biskra