Jussuf suchte uns zu beschwichtigen: »Die Tiere kennen das gar nicht anders, das wird immer so gemacht. Wie sollte man sie sonst vor dem Weglaufen und nachts vor den Dieben schützen?«
Aufbruch
Als wir sahen, daß die Pferde in der gleichen Weise behandelt werden sollten, nur statt mit Ketten mit Stricken geknebelt, opponierten wir energisch. Was auch geschah, aber das durfte nicht sein! Ja, aber was sollte geschehen, da doch nur vier Pflöcke mitgebracht waren? Auf irgendeine Weise wurde Rat geschafft, und wenigstens zwei der Pferde wurden gesondert festgemacht. Die anderen drei mußten sich der hergebrachten, uns so roh erscheinenden Gewohnheit fügen.
Vom Eindecken der Pferde wollten die Araber ebenfalls nichts wissen. Auch das waren die Tiere nicht gewöhnt, wurde uns versichert. Wir setzten aber unseren Willen durch und bestimmten, daß einige der zahlreichen Teppiche, die für die Zelte mitgebracht waren, während der Nacht als Decken für sie benutzt wurden.
Die Sonne ging unter in all ihrem berauschenden Farbenpomp und überflutete die öde sandige Ebene von Saada, auf der wir rasteten, mit einem goldigroten Schimmer. Drüben in weiter Ferne lag Biskra mit seinem Palmenwald bereits in grauem Schatten, und nur die blendendweißen Kuppeln des Kasinos leuchteten noch daraus hervor.
Rasch fiel die Nacht und verwischte alle Umrisse. Man hatte das Gefühl, als ob man in der Dunkelheit versänke. Dann stieg in wundervollem Glanze der Mond empor. In seinem blauweißen Lichte warfen Zelte und Tiere und Menschen auffallend kurze, tiefschwarze Schatten. In dem Wasser des Oued Djedi, das zwischen den steilen, gewundenen und zerfetzten Uferwänden fast unbeweglich stand, spiegelte sich der funkelnde Sternenhimmel.
Tamtamschläge und eigenartiger Gesang, Hochzeitslieder, kamen von irgendwoher aus einem einsam gelegenen Nomadenzelt. Dann verstummten auch diese Laute. Und nur das Heulen eines Schakals durchschnitt hin und wieder die ungewohnte feierliche Stille.
Erst in später Stunde konnten wir uns entschließen, unsere Zelte aufzusuchen. Bald danach schreckte uns lautes Getöse aus dem Schlafe. Aufgeregt liefen die Leute umher. Jussuf fluchte. Es stellte sich heraus, daß eines der allein placierten Pferde – ob von Sehnsucht nach den anderen getrieben, ob aus Bosheit – mitsamt dem Pflock, an den es angebunden war, einen Besuch bei seinen Kameraden gemacht hatte. Jedenfalls hatten diese die Störung unliebenswürdig aufgefaßt, und es war zu einem heftigen Kampfe gekommen. Nur mit Mühe trennte man die Wüteriche. Mit dumpfen Schlägen wurde nun der Holzkeil tiefer und fester in den Boden getrieben und der Unheilstifter wieder daran befestigt.
Aber noch waren die Abenteuer dieser Nacht nicht zu Ende. Der übermütige Grauschimmel, dem wir in freundlicher Fürsorge ebenfalls einen Privatplatz angewiesen hatten, nagte vor Langeweile den Strick durch, der ihn fesselte. Und während Ali auf seinem Wachtgange ihm wieder einmal den Rücken kehrte, machte er sich auf und davon. Das kühle Wasser des Oued Djedi, in dem er am Abend ein so erfrischendes Bad genommen, hatte es ihm angetan. Und dort war es, wo man ihn faßte und wieder zu seiner Pflicht zurückbrachte.