In der Frühe stellte es sich außerdem heraus, daß unsere guten Pferdchen die wärmenden Teppiche als Futter betrachtet und zum Teil aufgefressen hatten.
In Anbetracht dieser verschiedenen nächtlichen Ereignisse mußten wir wohl oder übel zugeben, daß unsere Methode, arabische Hengste zu behandeln, am Ende doch nicht die richtige war, und Jussuf hatte die Genugtuung, nun nach seiner eigenen, altgewohnten Weise schalten zu können.
Der Aufbruch am nächsten Morgen ging nicht so zeitig und nicht so rasch vonstatten, als wir wünschten und beabsichtigten. Die Maschine funktionierte noch nicht so richtig. Unserem guten Jussuf fehlte es gewiß nicht am allerbesten Willen. Aber es mangelte bei ihm, wie wir sehr bald merkten, an der nötigen Erfahrung und an dem noch nötigeren Dispositionstalent. Wohl hatte er die Reise nach Tugurt schon verschiedene Male gemacht. Einmal auf Maultieren mit einem jungen Franzosen. Aber sie führten gar keine Zelte und nur sehr wenig Proviant mit, übernachteten in den Bordjs und nahmen daselbst auch ihre Mahlzeiten ein. Also eine Reise auf die einfachste und primitivste Art. Das andere Mal hatte er zwei Amerikanerinnen geführt, und er erzählte gern und oft von dieser Tour, auf der ihm eine der Damen so viel Sorgen verursacht hatte. Es stellte sich nämlich eine Art Seekrankheit bei ihr ein, und während sie über die Dünen ritten, verschlimmerte sich ihr Befinden dermaßen, daß sie sich die Augen verbinden mußte, um die Reise zu Ende führen zu können. Da konnte sich Jussuf wohl gut in der Krankenpflege üben, aber da sie nur drei Tiere mithatten, die sie selbst ritten, und nach seiner Erzählung fast ausschließlich von Tee und Biskuits lebten, war wiederum nicht viel Gelegenheit gewesen, noch andere Erfahrungen zu sammeln. Diese fehlenden Erfahrungen konnte er sich nun ohne Frage auf unserer Tour aneignen. Das Betrübliche dabei war nur, daß wir sozusagen säten, ohne ernten zu können, oder im allerbesten Falle waren es doch nur unreife Früchte, die für uns abfielen.
Im Lager
Doch das sollte uns die Freude nicht stören. Wir waren Willens, alles, was auch kam und wie es kam, mit in den Kauf zu nehmen.
So feuerten wir hier ein wenig an, gaben dort einen Rat und warteten es im übrigen ruhig ab, bis alles marschbereit war.
Es war ein anstrengendes Stück, das wir nun zu machen hatten. Der Weg war in Wirklichkeit gar kein Weg mehr. Fußtief versanken die Tiere in dem losen, staubfeinen Sand.
Im Frühling, wenn nach der Schneeschmelze die gewaltigen Wassermengen von den Gebirgen herunterstürzen, dann füllt sich nicht allein das Bett des Oued Djedi, sondern die ganze Ebene von Saada steht unter Wasser. Und wenn der durstige Boden all das Naß getrunken, dann entwickelt sich für eine kurze Spanne Zeit eine üppige Vegetation, die köstliches Weideland für die Herden der Nomaden bedeutet. Aber jetzt sah man nichts als grau bestaubte niedrige Büsche und tiefe, von wilden Wassern gerissene Furchen. Die Pferde konnte man auf diesem Gelände nur vorsichtig traben lassen, wollte man ihre Kraft nicht frühzeitig verbrauchen. Und die armen beladenen Maultiere kamen nur langsam und mühevoll Schritt für Schritt vorwärts.
An ziemlich seichter Stelle überquerten wir den Oued Djedi und erreichten in der Mittagsstunde Bordj Saada. Diese Bordjs, die gewöhnlich befestigt sind und die man an den Karawanenstraßen in ziemlich regelmäßiger Entfernung antrifft, könnte man eher mit dem Namen Karawansereien belegen. Sie bestehen meist aus drei bis vier niedrigen Gebäuden, die im großen Viereck von einer Mauer umschlossen sind. An der Mauer entlang ziehen sich gedeckte Schuppen. Immer ist ein Brunnen vorhanden, die größte Notwendigkeit und Wohltat in diesem sonnendurchglühten, wasserarmen Lande. Und stets ist in einem der Gebäude ein Raum bereit, in dem man übernachten kann. Dieser Raum ist allerdings völlig kahl, nicht einmal eine Matte zum Schlafen ist vorhanden, und er hat außer der Türe meist gar keine Öffnung oder höchstens nur eine schmale Schießscharte, um Luft und Licht einzulassen.