Jeder Wüstenreisende, ob Eingeborener oder Fremdling, ob armer Nomade oder reicher Herdenbesitzer, ist in diesem Hause ein gleich willkommener Gast. Alle haben hier dieselben Rechte. Alle genießen denselben Schutz.

Eine jede Bordj hat einen von der Regierung angestellten Wächter, der die Einkehrenden begrüßt und überall nach dem Rechten sieht.

Für das Obdach ist keine bestimmte Taxe vorgesehen. Es ist in das Belieben eines jeden gestellt, ob er etwas dafür zahlen oder wieviel er geben will.

Gelüstet es den Reisenden nach einer Mahlzeit, so ist der Hauswart gegen Erlegung einiger Sous immer bereit, sein Kuskusgericht mit ihm zu teilen. Irgend etwas anderes Eßbares ist dagegen selten oder nie zu haben.

Als wir in Bordj Saada einritten, lag der große Hof völlig verödet. Aber noch ehe wir aus dem Sattel waren, kam aus einem Zelt in einer Ecke ein riesenhafter Neger, der Wächter, herbei und stellte uns seine Dienste zur Verfügung. Vorläufig hatten wir aber keine weiteren Wünsche, als die Tiere in den Schuppen untergebracht zu sehen und uns selbst draußen vor dem Hause im Schatten der hohen Mauern zu lagern, bis der Rest der Karawane eingetroffen und unser luftiges Speisezelt errichtet war.

Im Sandmeer

Nach dem Abkochen gaben sich Menschen und Tiere in der sengenden Mittagsglut einem beschaulichen Nichtstun hin. Nur einem aus unserer kleinen Reisegesellschaft ließ die Lust zum Jagen keine Ruhe. Unter Führung des riesenhaften Bordjwächters machte er sich davon, und der dumpfe Widerhall der abgegebenen Schüsse verriet bald darauf, daß er in voller Tätigkeit war. Auf dem Rückwege glitt der schwarze Christophorus, der den Nimrod auf seinem Rücken über den Oued Djedi trug, in der Mitte des Flusses aus, und beide nahmen zu unserem großen Ergötzen ein unfreiwilliges Bad. Aber weder sie noch die erlegte Jagdbeute nahmen dabei irgendwelchen Schaden, und die zierlichen Wachteln und eine Art weißgefiederter Vögel, die uns allen fremd war, bildeten eine unvorhergesehene schmackhafte Zugabe für unseren nächsten Mittagstisch.

Einige Stunden später, als die Sonnenstrahlen etwas von ihrer Glut verloren hatten, machten wir uns auf den Weiterweg. Das Vorwärtskommen bot nun nicht mehr solche Schwierigkeiten, da es über harten, wenn auch ziemlich steinigen Boden ging. So weit das Auge reichte, war die Ebene mit niedrigen verstaubten Grasbüscheln bedeckt. Kleine, zierliche Vögelchen hausten da in Menge. Ihr feines, melancholisches Gezirp verwehte in der großen Weite. Auch Trappen stiegen hin und wieder auf und bildeten reizvolle Silhouetten im kristallklaren Äther.

Die Rast- und Übernachtspunkte waren stets in der Nähe einer Bordj oder einer Quelle festgesetzt, da nirgends sonst ein Tropfen Wasser zu erhalten ist. An diesem Abend sollte es Hassi Djefair sein, wo wir unser Lager aufschlagen wollten.